Warum sich der deutsche Verleih für den lauen Titel »Mit Liebe und Chansons« entschieden hat, bleibt sein Geheimnis. Im Original heißt Ken Scotts Film »Ma Mère, Dieu et Sylvie Vartan«, so wie auch das Buch von Roland Perez, dessen Geschichte erzählt wird. Der in Frankreich durch Fernseh- und Hörfunksendungen sehr populäre Rechtsanwalt Perez wurde 1963 mit einem Klumpfuß geboren und verbrachte seine ersten Jahre durch die elterliche Wohnung robbend als durchaus fröhliches Kind, von seiner Familie geliebt und umsorgt.
Seine Mutter aber hat ihm zudem versprochen, dass er eines Tages wie alle anderen gehen, laufen und tanzen wird, und um dieses Versprechen einzulösen, werden auch Gott und Sylvie Vartan einbezogen. Die auch von Perez’ Familie hoch verehrte Chansons-Legende spielt sich selbst, während Perez in den unterschiedlichen Lebensphasen zunächst von den großartigen Kinderdarstellern Gabriel Hyverneau, Naim Naji und Noé Schecroun gespielt wird, den erwachsenen Perez mimt dann sehr einnehmend Jonathan Cohen. Im Mittelpunkt aber steht die Mutter (Leïla Bekhti), die allen Widerständen trotzt und mit unermüdlichem Einsatz ihrem Sohn ein uneingeschränktes und glückliches Leben ermöglichen will. Ihre Gegner sind empathielose Ärzte und hartherzige Behördenvertreter. Doch wer so viel von seinem eigenen Leben in ein anderes investiert, kann irgendwann nicht mehr loslassen. Der Preis der Symbiose ist die Allgegenwart der Mutter, auch als Perez schon lange sprichwörtlich auf den eigenen Beinen stehen kann. So erscheint seine Mutter nicht nur bei den passenden Gelegenheiten und sie nimmt selbstredend auch Einfluss bei der Partnerwahl ihres Sohnes.
Der kanadische Regisseur Ken Scott (»Starbuck«, »Der Lieferheld — unverhofft kommt oft«) legt auch diesen Stoff als warme Komödie mit einem Touch Tragik an. Auch Kitsch und Karikaturen hat er in seinem filmischen Werkzeugkasten, insbesondere dann, wenn er die jüdischen Familientraditionen ausarbeitet. Die (Über-)Mutter-Sohn-Beziehung wird nicht groß psychologisiert, es ist hier allein die Liebe, die zählt. Und die Chansons von Sylvie Vartan. So gesehen macht der deutsche Verleihtitel am Ende dann doch wieder Sinn.
F/Can 2025, R: Ken Scott, D: Jonathan Cohen, Leïla Bekhti, Joséphine Japy, Jeanne Balibar, Sylvie Vartan, 102 Min., Start: 27.11.






