Monster unter uns

Die Perspektive

Läuft alles nach dem Willen des Museum K21 in Düsseldorf, dann stehen in den nächsten Wochen die grotesken, computergenerierten Monster des kanadischen Künstlers Jon Rafman im Fokus der Aufmerksamkeit. Etliche Beobachter:innen im Netz und auch außerhalb monieren indes, dass sich ein kritischer Blick auf den Künstler selbst lohnen würde.
 

Der Rapper und einstige Weltstar Kanye West ist an diesen »Nebengeräuschen« nicht ganz unschuldig. West hat sich seit 2016 ins Abseits geschossen und mit rassistischen und antisemitischen Auslassungen für Schlagzeilen gesorgt. Er verkündete, er hasse Juden, liebe Hitler, relativierte mehrfach die Shoah und hat sich zuletzt als Nazi bezeichnet. Es zeugt weder von Feingefühl noch von Haltung, mit eben jenem West zu kooperieren. Jon Rafman entschied sich dennoch, 2024 mit West zu arbeiten und für ihn ein Musikvideo zu drehen.
 

Schwerer noch als solche fragwürdigen Karriereentscheidungen wiegen die Vorwürfe von drei Frauen, die Rafman 2020 sexueller Übergriffe bezichtigten. Auf ­einem gemeinsamen Instagram-Kanal veröffentlicht, beschreiben sie ihre intimen Erfahrungen mit dem Künstler. Eine der Frauen schilderte dort, dass sie während des Sex bewusstlos gewesen sei. Pikanterweise wurde sie später von Rafman für Hilfsarbeiten angeheuert, nur um im Anschluss ums Honorar geprellt zu werden. Abgesehen von einigen wenigen Ausstellungsabsagen blieben diese Anschuldigungen weitgehend folgenlos für Rafman.
Zugegeben: Die geschilderten Vorfälle sind nicht unkompliziert, es geht hier um Nuancen und rechtliche Grauzonen. Rafman weiß aber um seine (Teil-)Schuld, hat sich öffentlich geläutert gegeben und bekannt, dass es ihm »Leid tue, wenn er emotionalen Schmerz verursacht« habe. 
 

Warum wir überhaupt darüber reden müssen? Weil die Kunstsammlung NRW sich entschieden hat, diesem Künstler das Rampenlicht zu bieten. Muss man das? Selbst wenn man an die künstlerische Bedeutung Rafmans glaubt, worüber sich vortrefflich streiten ließe, kennt man noch zig weitere Künstler:innen von Strahlkraft und Gewicht, ­deren humaner Kompass nicht nachjustiert werden muss.
 

Die Instagram-Seite, die damals den Stein ins Rollen gebracht hat, hieß »Howtosurvivetheartworld«. Wie überlebt man, wie überleben wir die Kunstwelt? Womöglich, indem man die guten und integren Personen einlädt anstatt wieder einen Künstler mit problematischem Lebenslauf, oder?

Mach mit: Gemeinsam sichern wir unabhängigen Journalismus für Köln!
→ Ja, ich abonniere die Stadtrevue!
→ Ja, ich erwerbe einen Anteil der Stadtrevue-Genossenschaft!


Tagnacht – Kölns Gastro-Guide. Essen, Trinken, Ausgehen in Köln: alle Küchen, alle Veedel! Hol dir ein Abo und erhalte als Prämie die tagnacht 2025/26 gratis dazu. 

Stadtrevue abonnieren →

Alle Prämien ansehen →

Unsere Magazine

tagnacht – Kölns Gastro-Guide: Essen, Trinken, Ein­kaufen, alle Küchen, alle Veedel, die besten Adressen der Stadt. 
ansehen / bestellen →


Raum 5 – Der Design Guide für Köln/Bonn: Neues und Schönes, Porträts und Tipps sowie 300 Design-Adressen. 
ansehen / bestellen →


alma — Das Kölnmagazin für Studis: Alles, was wichtig ist für den Durch­blick an der Uni und das Leben in der Stadt.
ansehen / bestellen →


kurzundklein – Ein ganzes Jahr Köln mit Kindern: Akti­vi­täten und Aus­flüge, Familien­politik, Stadt­leben, Adressen. 
ansehen / bestellen →


weiter! — Aus- und Weiter­bil­dung in Köln und der Region: Der Pocket-Guide mit rund 200 Adressen und vielen nütz­lichen Infos.
ansehen / bestellen →