Die Zukunft Hollywoods sieht gar nicht so viel anders aus als seine Vergangenheit. Zumindest wenn man »Obsession« als Maßstab nimmt, das Kinodebüt des 26-jährigen Studienabbrechers und Youtubers Curry Barker, das innerhalb von etwas mehr als zwei Wochen weltweit das 150-fache seines schmalen Produktionsbudgets eingespielt hat. Zusammen mit dem fast parallel gestarteten und ähnlich erfolgreichen »Backrooms« des nur 21-jährigen Youtubers Kane Parsons wird »Obsession« als Beispiel eines Kinos gefeiert, das die Gen Z nach der Corona-Pause wieder aus dem Haus lockt und zeigt, dass die amerikanische Filmindustrie auch weiterhin Erfolge generieren kann jenseits der Fortschreibung von Superheldensagen.
Die Grundidee von »Obsession« ist dabei schon aus Märchen bekannt. Es geht um einen magischen Gegenstand, der Wünsche erfüllt, die sich dann als Fluch herausstellen. Hier ist es ein kleiner Weiden-Ast, der zerbrochen werden muss, um dem schüchternen Bear seinen größten Wunsch zu erfüllen, dass seine beste Freundin Nikki ihn mehr lieben solle »als irgendetwas anderes auf dieser verfluchten Erde«.
Der Wunsch wird umgehend erfüllt, doch Nikkis Zuneigung wird dabei zunehmend klammernder, erpresserischer, verzweifelter, wie Bear ebenso entsetzt wie schuldbewusst feststellen muss. Zudem scheint es so, dass ein böser Geist sich ihrer bemächtigt hat und die wahre Nikki nur noch in wenigen Momenten Herrin über ihren eigenen Körper ist.
Was als Psychohorror beginnt, wird immer körperlicher, auch wenn sich der Gore-Anteil in »Obsession« in Grenzen hält. Das funktioniert nicht nur gut wegen eines geradezu klassisch langsamen Spannungsaufbaus, sondern auch wegen Inde Navarrettes markerschütternder Performance als obsessiv Liebende wider Willen.
Erklärt das den Erfolg von »Obsession«? Sicher zum Teil, es gab schon immer gut inszenierte Low-Budget-Horrorfilme, die zu Überraschungserfolgen wurden. Offensichtlich trifft der Film aber auch einen Nerv, was aktuelle Ängste in Liebesbeziehungen anbelangt. Wenn es stimmt, dass Bindungsängste immer weiter um sich greifen, ist »Obsession« sicher der Alptraumfilm für alle Menschen, die hiervon betroffen sind, aber Nikkis übermenschliche Hingabe an Bear erinnert vielleicht auch an die ewig zugewandten KI-Chatbots, in die sich gruseligerweise immer mehr Menschen verlieben.







