Paukenschlag

P. Staffs »Durchdringung« ist die Antrittsausstellung des Direktors Viktor Neumann am Bonner Kunstverein

Es flackert und rauscht in dem dunklen Korridor am Eingang. Am Ende des Gangs ertönt Maschinenlärm, aber erst muss man vorbei an den surrenden Hologramm-Ventilatoren, versucht die Formen, Buchstaben und Wörter auf den im Stroboskop-Licht rotierenden Projektionsflächen zu erhaschen, die für Sekunden sichtbar werden und zusammen ein Gedicht ergeben. Es bleibt kryptisch, aber einzelne Wörter hallen nach und weisen den Weg durch den Rest der Ausstellung — a minimum world skin on bone you are touched by it.

Der neue Direktor Viktor Neumann hat nicht nur den Zutritt von außen versetzt und einen offenen, einladenden Vorraum geschaffen, sondern auch die Raumfolge der Ausstellung verändert und mit Hilfe der eingeladenen Künstler*in P. Staff die luftige Halle in ein eindrückliches Raumerlebnis verwandelt.  

Leicht schwindelig gelangt man am Ende des Korrdors in den in rotes Licht und Nebel getauchten Raum, aus dem die hämmernden Klänge stammen. Sofort ändert sich die Stimmung, das aufpeitschende Licht weicht einer sanfteren, einlullenden und gleichsam bedrohlichen Atmosphäre. Eine Projektion zeigt freigestellte Fragmente von Knochen, je länger man die Abfolge der Bilder betrachtet, desto mehr nimmt der Raum einen ein. Der Sound durchdringt den ganzen Körper, dröhnt und brodelt. Die Ausstellung endet nach einem nebeligem Zwischenraum in der noch größer als sonst wirkenden Halle mit einer einzelnen, übergroßen Projektion eines Oberkörpers, der von einem grünen Laser durchdrungen wird.

P. Staff schafft Zustände statt Narration, erklärt Neumann, doch ist die Ausstellung mit dem treffenden Titel »Durchdringung« alles andere als inhaltslos. Mit Bezug auf bildgebende Verfahren aus der Medizin, wie Röntgenstrahlen und Laser, aber auch auf die Verstrickung von Farbstoffindustrie und Militär spricht P. Staff so große Themen wie Macht und Handlung, Transparenz und Durchleuchtung, Geschlecht und Körperpolitiken an. Und dies an dem Ort, an dem in der alten Bundesrepublik Gesetze verhandelt wurden, die heute noch weitreichende Folgen für geschlechtliche und reproduktive Selbstbestimmung haben.

Viktor Neumann beginnt seine Amtszeit mit einem Paukenschlag. Danach wird es mit den drei letzten Peter-Mertes-Stipendiatinnen etwas ruhiger, bis dann zum 50-jährigen Jubiläum des Kunstvereins an Ort und Stelle, alle Einbauten entfernt und mit einer eingeladenen Künstlerin eine Rückbesinnung auf die Geschichte und Funktion des Hauses und seiner Architektur voll­zogen wird.

Bonner Kunstverein, Hochstadenring 22, Bonn, bis 1.2.2026; Di–So 12–18 Uhr

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