Ein kleines Architekturmodell aus Styropor steht eingangs der Ausstellung. Es zeigt den Berliner Projektraum von Claudia Busching, in den sie während vier Sommern Kolleginnen einlud, die wie sie raumbezogen mit dem Medium der Zeichnung umgehen. Die daraus entstandene Ausstellungsreihe »Zeichenraum I-X« findet nun eine gemeinschaftliche Fortsetzung in den Räumen der Villa Zanders.
Katja Pudor, die sich in ihren Performances vom Sound aus ihren Kopfhörern und der erlebten Atmosphäre leiten lässt, hat am Eröffnungsabend auf der auf dem Boden liegenden Papierbahn ein zartes Liniengeflecht skizziert, das vielleicht die umliegenden Sichtachsen anregten. Die Papierarbeiten von Kati Gausmann visualisieren dagegen die Bewegung, die den Körper in Balance hält.
Einen beengten Raum verwandelt schwarzes Klebeband in ein Erlebnis. Fasziniert folgt man den Linien der geometrisch angelegten Raumzeichnung von Angela Lubič um den Aufzugschacht und beginnt sich mit einem Mal für Deckenkanten, Proportionen und selbst Details an der Lichtschiene zu interessieren. Die grauen und schwarzen Papierstreifen, die Claudia Busching verwendete, greifen die Linien einer dominanten Innentreppe auf und öffnen eine Wandecke zu einem räumlichen Spannungsfeld.
Für Jolanta Wagner ist der Zeichenraum das Atelier, in dem sie ihre gedanklichen Expeditionen in der Außenwelt zu Papier bringt. Sie übersetzt Alltägliches, besondere Ereignisse oder Begriffe mit symbolhaften Zeichnungen und Worten in Ordnungssysteme, um sich die reale Welt geistig anzueignen. Ihre Arbeiten kamen in einem Paket aus Warschau, aber die Künstlerin hat sich eine Vorstellung von Bergisch Gladbach gemacht und die großformatige »Map of the City of B.G.« mit einer ausführlichen Legende versehen.
Eine Raumzeichnung von Julia Ziegler inszeniert eine vielsprachige Bibliothek, Monika Bartholomé vereinnahmt ihr Areal mit einem malerischen All-Over, und Kamilla Szíj überlässt bei ihren Werken dem Licht die abschließende Gestaltung. Betina Kuntzsch hatte in Berlin die Umrisse der Fenster abgezeichnet und für Video animiert. In zwei sich überlagernden Ebenen wandern die hellen Linien nun über die Wände der Villa Zanders.
Eine lohnende Ausstellung, die zeigt, wie facettenreich sich die Zeichnung in der Gegenwart darstellt, und nebenbei ein beeindruckendes Künstlerinnennetzwerk vorstellt.
Zeichenräume, Kunstmuseum Villa Zanders, Bergisch Gladbach, bis 16.8.; Di & Fr 14–18 Uhr, Mi & Sa 10–18 Uhr, Do 14-20 Uhr, So 11-18 Uhr
Katalogpräsentation mit Künstlerinnengespräch, Do 21.5., 18–19 Uhr







