Die Herren seien sehr sorgfältig gewesen, erinnerte sich Valie Export später. 1968 marschierte sie mit ihrem »Tapp- und Tastkino«, einem Pappkarton vor der nackten Brust, durch Wien und entlarvte damit als eine der ersten feministischen Künstler:innen den »male gaze«. Ungefähr im selben Jahr führte sie den Künstler Peter Weibel wie einen Hund an der Leine durch die Straßen, lief in »Aktionshose: Genitalpanik« mit einer im Schritt ausgeschnittenen Hose durch einen Kinosaal, ließ sich öffentlich ein Strumpfband auf den Oberschenkel tätowieren. »Die Performances mit meinem Körper haben immer eine politische Bedeutung gehabt«, erklärte sie. Weil die Gesellschaft den weiblichen Körper instrumentalisiere, sei das auch gar nicht anders möglich. Sie wollte die Macht über ihren eigenen Körper zurückerobern.
Geboren wurde sie als Waltraud Lehner 1940 in Linz. Mit 27 legte sie ihren bürgerlichen Namen ab und lebte fortan als Valie Export, weil sie weder den Namen ihres Vaters noch ihres Ex-Ehemannes tragen wollte — und weil sie ihre Gedanken nach außen tragen, exportieren wollte. Dem Wiener Aktionismus, der mit Blut, Tierkadavern und Tabubrüchen das konservative Österreich zu schockieren antrat, wollte Valie Export etwas entgegensetzen, weil der Aktionismus, wie sie sagte, »das selbstständige Bewusstsein der Frauen« unterdrücke. Sie schöpfte ihre Inspiration aus der »weiblichen Erfahrung« — oder anders gesagt: aus der Erfahrung in einer patriarchalen Gesellschaft eine Frau zu sein.
»Valie Export hat Meisterwerke wie am Fließband geschaffen«, schreibt Siegfried Zielinski in seinem Nachruf der Kunsthochschule für Medien in Köln (KHM). Dort war Valie Export von 1995 bis 2005 Professorin für Multimedia und Performance. Erst ab 1995, muss man einschränkend sagen, denn als man sie einige Jahre zuvor schon einmal vorgeschlagen hatte, protestierte das männliche Kollegium lautstark. Heute wird sie an der KHM gefeiert als »Mikrokosmos radikaler und engagierter Medienkunst«.
Zu Recht, denn ihre Performances sind nicht bloß Zeitzeugnisse vergangener feministischer Kämpfe. Ihre feministische Aktionskunst erzählt von einem Widerstand, der angesichts von Social-Media-Filtern, Hyaluronspritzen und konservativen Frauenbildern dringend notwendig ist.
Valie Export starb am 14. Mai 2026 im Alter von 85 Jahren in Wien.







