1987 begann die Geschichte des Fantasy Filmfests in Hamburg. Dieses Jahr begeht das mittlerweile als Wanderfestival durch sieben deutsche Großstädte tourende Event also seine 40. Ausgabe. Das Jubiläum wird gefeiert mit einer kleinen Klassiker-Sektion, was wie eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln wirkt, gehörten doch kleine Retrospektiven früher zum Alltag des Festivals. Siu-Tung Chings Kampfkunst-Gruselspektakel »A Chinese Ghost Story« (1987) und Na Hong-jins True Crime-Reißer »The Chaser« (2008) stammen aus den letzten 40 Jahren, wohingegen Nicolas Roegs Psychoschocker »Don’t Look Now« (1973) jenen Genre-Weltgeist symbolisiert, aus dem heraus die Veranstaltung geboren wurde.
Für die ersten zwei genannten Filme finden sich im Programm auch aktuelle Gegenstücke: Altgroßmeister Yuen Woo-ping, unter anderem Martial-Arts-Choreograf von »The Matrix« und »Kill Bill«, demonstriert in »Blades of the Guardians«, dass Hongkongs Filmarbeiter immer noch am besten wissen, wie man es so richtig hirn- und herzerschütternd krachen lässt, während die Cannes-Wettbewerbsteilnahme von Na Hong-jins Mixtur aus Ökohorror und Fantasy »Hope« (2026) zeigt, dass Filmkunst nichts mit ästhetischer Entsagung oder narrativer Fadheit zu tun hat.
Aber natürlich ist das diesjährige Festival keine Nostalgieveranstaltung: Es hat sich viel getan in den letzten vier Dekaden. Das zeigen unter anderem Maja Holand mit »Hex«, ihrem Dokumentarfilm über die drei jungen Frauen der norwegischen Black-Metal-Band Witch Club Satan, Quentin Dupieux mit seiner Low-Fi-Computeranimation »Vertiginous« und Minos Papaas mit dem Folk Horror von »Motherwitch«. Nichtfiktionale Geschichten oder Animation wurden in den letzten Jahrzehnten von jüngeren Alterskohorten (wieder)entdeckt und in den filmkulturellen Mittelgrund (zurück)gebracht, während der Folk Horror ein recht neues Konzept ist, entlang dessen Teile der Kinogeschichte anders betrachtet und diskutiert werden können.
Und die Zukunft? Vielleicht kommt die Antwort wieder einmal aus Japan: In Makoto Uedas »You Are the Film« (2026) lösen sich in einem Kino gelegen im lauschigen Tokioter Hipster-Kiez Shimokitazawa die Grenzen zwischen Film und Wirklichkeit auf — davon träumen wir doch, selbst wenn ab und an daraus ein Nachtmahr wird.
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