Die Welt ist durchgedreht — und gut tun wir daran, uns anzupassen. Seltsame Lichter und seifenblasenartige Gebilde rasen durch die Galaxie. Dazwischen schwanken blubbernde, ploppende Gestalten mit entrückten Gesichtern. Doch auf der Bühne der Comedia findet kein Drogentrip statt. Sondern die erste Inszenierung des mehrfach preisgekrönten Analog-Theaters für Kinder und Jugendliche ab acht Jahren: »Imagine: Die Welt ohne uns«.
Eine »posthumane Fantasie« soll es sein, die mit dem Anthropozentrismus, unserer Mensch-Zentriertheit aufräumen will. Ist es nicht ein schöner Gedanke: sich eine Welt der reinen Formen und Farben vorstellen, die sich aus der Klassifizierungslogik der Sprache befreit — und einfach mal schwerelos herumspinnen? In vielen Farben verläuft die große Projektionswand, zieht in Schlieren vorbei, während das Ensemble aus Erwachsenen und Kindern wackelnd um die Bühne kreist, mit todernsten Gesichtern, manchmal auf allen Vieren. Mit wallenden Blondperücken hoppeln sie, winden sich auf dem Boden, schnaufen tierhaft kreatürliche Laute, werden zu zotteligen Moosgebilden, gurren, piepsen, grunzen. Eine schmatzende Riesenamöbe robbt vorbei.
Oder sie kreisen mit pilzartigen Hüten um sich selbst — Pilznetzwerke werden nach der Apokalypse bleiben.
Das ist oft so tiefernst durchgeknallt, dass man lachen muss. Und irgendwie ist es auch tröstlich — einfach mal die lästige, destruktive Ratio ausschalten. Bald ist es ohnehin mit der Welt vorbei ... und die Natur ist den Menschen los. Kann sich endlich erholen. Irgendwann sind die Fische dran: Fantastische Schlieren und Muster tauchen die Comedia in eine blaue Tiefenwelt, Meeresgebilde schweben über die Bühne, wütende Korallen röhren. Die Natur steht auf im posthumanen Freudentanz.
Man muss diesen Trip nicht verstehen. Stattdessen kann man sich fallen lassen in verspielt-psychedelische Welten. Das ist kraftvoll und großartig anzusehen — auch, wie das Kinderensemble energisch mitmischt. Der Abend ist ein Rausch aus Geräuschen, Formen und Farben, ein tröstliches Experiment, philosophisch inspiriert von Donna Haraway, die schon lange dafür plädiert, den Menschen nicht so stark ins Zentrum zu stellen, sondern in stärkere Verwandtschaft zu allen übrigen Wesen zu gehen. Auch wenn man sich etwas mehr Erzählung gewünscht hätte — aber das ist wohl auch so ein anthropozentrischer Gedanke aus der Vergangenheit.
Comedia-Theater, 15. & 17.4., 19 Uhr; 16. & 17.4., 9.30 Uhr; 18.4., 16 Uhr






