Ein paar Dinge haben sich dann doch verändert: Früher nämlich, in den 90er Jahren, da hat sich das sogenannte »Altstadtherbst Kulturfestival« als Gegenentwurf verstanden — zum klassischen Spartenbetrieb der öffentlichen Spielstätten, zum Konzertbetrieb der Stadt. Heute heißt es einfach nur schlicht »Düsseldorf Festival« und das Programm ist so dermaßen hochkarätig, dass man eigentlich nur raten kann, sich schleunigst Eintrittskarten zu sichern, denn wer weiß: Wann hat man so schnell nochmal die Gelegenheit, diese Künstler:innen auf der Bühne zu erleben.
Neben Musikkonzerten glänzt der Festivalspielplan, der verstreut über die Stadt an unterschiedlichen Orten stattfindet, vor allem mit einem: Tanz und Zirkus. Den Auftakt macht »Pixel«, uraufgeführt 2014, aber zeitlos schön — oder besser: beeindruckend. Gemeinsam mit der Kompanie Käfig hat Choreograf Mourad Merzouki ein spektakuläres, poetisches Stück geschaffen, inspiriert von der Hip-Hop-Kultur der Straße. Die Performer:innen bewegen sich in einer dreidimensionalen virtuellen Landschaft einer interaktiven Video-Installation.
Aus der Champions League der zeitgenössischen Choreograf:innen kommen zwei Gäste aus der legendären Batsheva Dance Company: Sharon Eyal mit »Delay the Sadness«, die bei der letzten Ruhrtriennale uraufgeführt und ziemlich gefeiert wurde. Und Hofesh Shechter mit »In the Brain« und der Frage, wie es wohl ist, die ganze Nacht zu tanzen?
Gegen nichts Geringeres als die Schwerkraft kämpft hingegen die Zirkuskompanie Gravity & Other Myths, kurz GOM, aus Australien. Und das ist wörtlich gemeint, denn ihr Stück »Ten Thousand Hours« macht dem Publikum in spielerischer Weise bewusst, dass hinter atemberaubender Akrobatik keine Zauberei, sondern unzählige Stunden harter Arbeit stecken. Ebenso kühn geht es bei dem Deutschlanddebüt der jungen schwedischen Zirkuskompanie Below Zero weiter: »In Praise of Shadows« folgt den Schatten in uns und um uns herum.
Besonders erfreulich: Auch das Theaterkollektiv piers.vers spielt mit »Tage aus Glas« auf dem Gelände der ehemaligen, weltweit größten Glashütte und erinnert an einen Streik der dort Beschäftigten im Jahr 1901. Piers.vers verknüpft diese Geschichte mit heutigen Fragen nach gesellschaftlicher Teilhabe, Besitzverhältnissen und Klassenkämpfen aus der Perspektive von zwei Frauen.







