»Wohnen. Leben. Frei sein.« — dieser Parole haben sich Frauen verschrieben, die in den 80er Jahren nach Kreuzberg kommen, um zwischen brennenden Barrikaden für ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen. Autorin Susanne Matthiessen erzählt in ihrem autobiografisch gefärbten Roman von einer feministischen Hausgemeinschaft, die ihre Bewohnerinnen selbsterklärend »die BURG« nennen. In diesem Safe Space an der Grenze zwischen West- und Ost-Berlin lebt, feiert und plant die Ich-Erzählerin mit den anderen Frauen den Umsturz des Patriarchats. Doch Jahrzehnte später zwingen Altersarmut und prekäre Arbeitsverhältnisse die alleinstehenden Frauen, ihr Lebenswerk zu hinterfragen. Um Geld zu sparen, zieht die erste Bewohnerin in den Keller und vermietet ihre Wohnung. »Inzwischen wird darüber diskutiert, ob man nicht mit einem Sarg, gestützt auf zwei Rollatoren, symbolisch den Feminismus zu Grabe tragen sollte.« Nicht ohne Galgenhumor schreibt Susanne Matthiessen« über anarchistische Aufbruchsstimmung und Ernüchterung der Frauen der Boomer-Generation, denen im Alter ihr wichtigster Kampf noch bevorsteht: der gegen den sozialen Abstieg.
Ullstein, 336 Seiten, 23,99 Euro







