Einzelausstellungen des britisch-US-amerikanischen Malers Malcolm Morley (1931–2018) in Deutschland waren bislang an einer Hand abzuzählen. Nun sind bei RPLH fünfzehn seiner Werke aus den Jahren 1966 bis 1988 zu sehen. Wer ist Morley?
Nach einer schwierigen Kindheit, zwei abgebrochenen Karrieren als Seefahrer und als Einbrecher, sowie einem anschließenden Kunststudium, zog er 1958 von London nach New York. Dort wurde er Mitte der 60er Jahre zu einem der Erfinder des Fotorealismus. Der Legende nach beschloss er vor einem Ozeandampfer, den er vom Pier aus nicht in seiner Gesamtheit erfassen konnte, diesen von einer Postkarte abzumalen, die am nahen Kiosk erhältlich war. Aufgeteilt in kleine Abschnitte — bei seinem Künstlerkollegen Richard Artschwager hatte er zuvor die Rastertechnik kennengelernt — ließ sich das Motiv Bildfeld für Bildfeld in Malerei verwandeln. Die »First Class Cabin« (1966) ist ein typisches Beispiel für Morleys »Superrealismus«, wie er diesen Malstil selbst bezeichnete.
Teil einer Bewegung, zu der sich der Fotorealismus um 1970 entwickelte, wollte Morley nie sein. Zudem schien die glatte Oberfläche nicht mehr zu seinem inneren Befinden zu passen. Die anschließenden Werke sind expressiver und komplexer angelegt, wenden sich gegen die zuvor dargestellte »heile Welt«. Im »Room at Chelsea« (1972), dessen Zimmerschlüssel in einer Ecke des Gemäldes hängt, ist wohl nicht nur die Einrichtung, sondern auch eine Beziehung in Unordnung geraten. Auf dem Bild »Fire Island with a Second Ending« (1974) mutiert das zerknüllte Ende eines Foto-Leporellos über zwei anmontierte kleine Leinwände hin zur abstrakten Malerei.
Bald galt Morley als Pate des Neoexpressionismus, während er selbst die Tier- und Pflanzenwelt entdeckte und für Arbeiten wie »Landscape with Bullocks« (1981) selbstgemalte, luftige Aquarelle in Ölmalerei übersetzte. Einige der ausgestellten Werke tourten mit der vielbeachteten Retrospektive, die 1983 durch Europa und die USA zog, und die Malcolm Morley 1984 zum erstmals vergebenen Turner Prize verhalf.
Auch danach erfand er sich die Malerei noch einige Male neu, denn »jedes Gemälde, das Malcolm schuf, war eine Reise und ein Abenteuer«, wie sich der Maler Eric Fischl in einer posthumen Würdigung erinnerte. Diese Leidenschaftlichkeit vermitteln die Bilder der Ausstellung ganz unmittelbar.







