»Man sollte immer verliebt sein. Das ist der Grund, warum man niemals heiraten sollte.« Olivia Wilde setzt ihrem dritten Film ein Zitat Oscar Wildes voran, der sie auch zu ihren Künstlernamen inspirierte. Nach der Coming-of-Age-Komödie »Booksmart« und dem Psychothriller »Don’t Worry Darling« ist es die dritte Regiearbeit der gelernten Schauspielerin, die auch eine der vier Hauptrollen übernommen hat.
Es geht um eine Ehe, die am Ende ist und ein sexuell aufgeschlossenes Pärchen aus der Nachbarschaft. Die Geschichte scheint dem Zeitgeist zu entsprechen. Das spanische Original von 2020 wurde bereits etliche Male neu verfilmt, so gibt es unter anderem ein Schweizer, ein südkoreanisches und selbst ein russisches Remake.
In Wildes Variante spielt Seth Rogen den Mittvierziger Joe: Die Bandkarriere ist Geschichte, der Job am Musikkonservatorium ödet ihn an, die Ehefrau eine Fremde geworden. Rogen spielt diesen Mann, der sich selbst und alle anderen hasst, nicht nur — er erleidet ihn mit einer Theatralik, die sein Elend zur Pointe werden lässt. Die einzige Außenszene von »The Invite«, in der er zu Beginn auf einem Klapprad die Hügel von San Francisco hochächzt, symbolisiert Joes gesamten Lebensfrust.
Wilde spielt seine Ehefrau Angela, deren Ambitionen ebenfalls ins Leere gelaufen sind. Mittlerweile ist sie zum Kontrollfreak mutiert. Doch dann lädt Angela gegen Joes Willen ihre Nachbarn ein. Die selbstbewusste Paartherapeutin Pina (Penélope Cruz) und der tiefenentspannte Ex-Feuerwehrmann Hawk (Edward Norton) platzen mitten in einen Streit des Alptraumpaares. Es folgt ein Abend voller Peinlichkeiten und Sticheleien, der im Seelenstriptease endet.
Wilde erfüllte sich mit dem Film einen Traum: Sie drehte ihn auf analogem 35mm-Material, in chronologischer Reihenfolge und mit ausreichend Zeit für Proben. Kameramann Adam Newport-Berra (»Splitsville«) nutzt dies und komponiert Bilder, die die Spannungen zwischen den Figuren unterstreichen. Cutter Yorgos Mavropsaridis, bekannt geworden durch seine Zusammenarbeit mit Yorgos Lanthimos, verstärkt diese Atmosphäre durch unerwartete Montagen. Dev Hynes a.k.a. Blood Orange steuert die Filmmusik bei. Das Star-Ensemble hat große Freude an den Dialogen des Autorenduos Rashida Jones und Will McCormack. Tempo und Timing stimmen. Eine Beziehungskomödie, die garantiert mehr Spaß macht als Paartherapie.
USA 2026, R: Olivia Wilde, D: Olivia Wilde, Seth Rogen, Penelope Cruz, Edward Norton, 107 Min. Start: 30.7.






