Als er seine Augen öffnet, liegt Spielzeugastronaut Buzz Lightyear an einem Strand. Bald sieht er, dass eine ganze Ladung anderer Buzz Lightyears auf der einsamen Insel abgestürzt ist. Ihr kollektives, fabrikgenormtes Innenleben weist ihnen den Weg: zum Star Command, immer dem Polarstern nach. Wodurch sie irgendwann in derselben Gegend landen wie der »wahre« Buzz Lightyear, dessen Angehimmelte, Cowgirl Jessie, sich mit einem existentiellen Problem beschäftigen muss: Ihr Mensch Bonnie hat keine Freunde, weil alle anderen Kinder sich nur noch mit digitalen Bildschirmgeräten amüsieren, sie aber noch mit ihren Puppen spielt. Als Bonnies Eltern ihr auch einen Tabletcomputer, ein »Lilypad«, schenken und ihr all die lange so sehr geliebten Spielzeuge mit einem Mal egal sind, versucht Jessie sie vor der Digitalhölle zu bewahren — und damit alle ihre Spielzeugleben noch ein wenig zu verlängern.
Die »Toy Story«-Filme hatten zuerst nur eine ganz leichte, im Laufe der Jahre dann aber immer merklichere melancholische Grundierung und oft philosophische Fragen im Kern ihrer Geschichten. Dabei sind sie ruhiger geworden, weniger von Gags und Action getrieben als animiert durch nuancierte Charakterarbeit, feines Erzählen und zum Teil verblüffende ästhetische Experimente. Andrew Stantons und McKenna Harris’ »Toy Story 5« ist ein weiterer Schritt in diese Richtung (siehe unter anderem die Traumsequenzen). Krachen tut es kaum. Stattdessen wird auf sensible Weise darüber nachgedacht, wie kompliziert das ist mit der menschlichen Entwicklung — reflektiert in Generationen von Spielzeugtypen mit ihren Macken und Fähigkeiten und in der Weiterentwicklung einzelner Modelle wie etwa der verschiedenen Buzz-Lightyear-Baugruppen.
Der Wille zur Komplexität und Subtilität findet besonders Ausdruck in der bizarrsten neuen Figur: Smarty Pants, ein ziemlich primitives elektronisches Spielzeug in Klopapierrollengestalt, das so etwas wie den Übergang darstellt von Jessie mit ihrer mechanischen Sprechfunktion zu dem digitalen Lilypad.
Dass letzteres nicht zum Bösewicht wird und im Elektrosondermüll landet, hat seinen guten humanistischen Sinn. Es erinnert daran, dass auch Lilypad nur ein menschengemachtes Objekt, ein Spiegelbild ihrer Schöpfer ist, und so alles Schlechte aber eben auch alles Gute in uns als Potential enthält. Und wenn am Ende die Menschen durch die Spielzeuge wieder zu einem Gemeinschaftssinn zurückfinden, dann sind ein paar Tränen mehr als nur angebracht.
USA 2026, R: Andrew Stanton, McKenna Harris, 102 Min. Start: 23.7.






