Unberechenbar und wild

Das Japanische Kulturinstitut zeigt bis kurz vor Weihnachten eine ganze Reihe famoser Filme der Produktionsfirma Nikkatsu

 

 

Die 1912 gegründete Filmgesellschaft Nikkatsu (Akronym für: Nippon katsud?shashin = Japanische lebende Bilder) gilt gemeinhin als das älteste Filmstudio Japans. Das ist Quatsch. Richtig ist vielmehr, dass es das erste Unternehmen seiner Art war, das sich allein auf die Herstellung von Filmen beschränkte. Und nach über hundert Jahren immer noch den lokalen Markt mitdefiniert.

 

Im Westen war ab den 1950ern erstaunlich viel aus diesem Hause in die Kinos gekommen, doch erst in den frühen Nuller Jahren begann sich die offizielle Filmkultur genauer mit der Produktionsstätte zu beschäftigen. Ein wesentlicher Grund dafür ist wohl, dass Nikkatsu keinen fürs Exportausland interessanten Auteur hervorbrachte. Jene Nikkatsu-Meister, welche man hier schon seit langem feiert, allen voran Suzuki Seijun und Imamura Sh?hei, galten als derart idiosynkratisch, dass von ihnen kein Weg zurück ins Studio führte. Und der etablierte Kurosawa Akira versperrte mit seinen Schwerkampfspektakeln dem Chambara-Gott It? Daisuke (»Oatsurae Jir?kichi K?shi«, 1931) den Weg in die Welt.

 

Überhaupt schien sich lange alles gegen das Studio verschworen zu haben: Was auch immer Nikkatsu so außerordentlich machte, war für den westlichen Kinokulturgebrauch wenig anziehend. So blockierten z.B. Exotica-Sehnsüchte jegliche Beschäftigung mit Nikkatsus bewusst »nicht-japanisch« gehaltener New Wave. Und die kleinbürgerliche Verklemmtheit der Kritik blockierte jegliche tiefschürfendere Beschäftigung mit der Welt des Roman porno und sorgte so dafür, dass einige der bedeutendsten modernen Filmschaffenden Japans erst zum Karriereende oder gar posthum entdeckt wurden. Allen voran etwa Kumashiro Tatsumi (»Kamu onna«, 1988), aber auch Sone Ch?sei (»Tenshi no harawata. Akai ky?shitsu«, 1979). Dass Nikkatsus ikonoklastischer Geist immer noch wilde Kinofrüchte trägt, zeigt das Engagement des Hauses für einen der genuinen Exzentriker des gegenwärtigen Weltkinos: Sono Sion hat sich mit »T?ky? Tribe« (2014) und »Hisohiso boshi« (2016) als würdiger Fortführer von Nikkatsus Kino der totalen Unberechenbarkeit erwiesen.

 

Nikkatsu. Eine über 100 Jahre währende Erfolgsgeschichte. Mo 6.11.–Do 21.12. Japanisches Kulturinstitut, Eintritt frei! Infos: <link http: jki.de external-link-new-window>jki.de

 

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