Unterdrückte Stimmen

Die ersten Brasilianische Filmtage erzählen von ­Gewalt und Empowerment

Von der brutalen Militärdiktatur, die in Brasilien von 1964 bis 1985 regierte, erzählt das brasilianische Kino noch heute — oder gerade jetzt. Im vergangenen Jahr erhielt Walter Salles’ in den 1970er Jahren angesiedeltes Drama »Für immer hier« den goldenen Löwen in Venedig und den Oscar für den besten internationalen Film.

Im November kommt »The Secret Agent« von Kleber Mendonça ­Filho ins Kino (s. Film des Monats S. 50), der in Cannes gleich drei Preise erhielt und bei den Oscars 2026 ins Rennen geht. Dass das Thema gerade jetzt so sehr im Fokus steht, liegt sicher auch an der traumatischen Erfahrung von Jair Bolsonaros restriktiver Regierungszeit, und daran, dass auch der amtierende Präsident Lula da Silva die drängenden Probleme des Landes nicht in den Griff bekommt. Von diesen Problemen erzählen vom 28. Oktober bis 9. November die in diesem Jahr erstmals gemeinsam von Allerweltskino e.V. und dem Köln — Rio Städtepartnerschaftsverein e.V. ausgetragenen »Brasilianischen Filmtage der unterdrückten Stimme Silêncio e Voz«. Kuratiert hat das Programm die seit drei Jahren in Köln lebende Ethnologin Paula Morgado, die sich in São Paulo dreißig Jahre lang mit visueller Anthropologie beschäftigt und dort Filmveranstaltungen zum Thema programmiert hat. Mit »Söhne der Mangroven« läuft in Köln allerdings nur ein einziger Spielfilm, und auch der »flirtet mit dem Dokumentarischen«, so Morgado.

Die restlichen acht Filme sind Dokumentarfilme, die sich den unterschiedlichsten Problemen marginalisierter Gruppen widmen, sei es Polizeigewalt (»Polizeimorde«), das Zurückdrängen und die Beschneidung der Rechte der indigenen Bevölkerung (»Amazonas. Das neue ­Minamata«; »Martyrium«), Besetzungen als Form des Protestes (»Rolê. Geschichte von Rolezinhos«) oder Queere Selbstermächtigung (»Tranny Fag«). Letzterer handelt wie auch »São Palco. eine afro-politische Stadt« von der Kulturszene São Paulos, während »Black Rio! Black Power!« von der schwarzen Musikszene der 1970er Jahre im Kampf gegen Rassismus und deren Einfluss auf Hip Hop und die heutige Musikszene Brasiliens erzählt. Die Filme liefern nicht nur für die brasilianische Community Kölns, die größte in Deutschland, viel Diskussionsstoff, denn das Kino kann jedem Publikum auf einzigartige Weise »unterschiedliche Perspektiven für das Verständnis der Welt« aufzeigen, so Morgado.

Brasilianische Filmtage Silêncio e Voz: 28.10.–9.11., alle Filme im OmU, 
Off Brodway, Filmforum NRW, ­Filmhaus Köln 

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