Yade Yasemin Önders Protagonistin schreibt ihren Debütroman »Sauber« und möchte eine Familie gründen. Aber an ihrer Seite findet sich kein Protagonist, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Aus der Theaterwelt kommend (»Uraufführung in den Münchner Kammerspielen und im Pfauen in Zürich«), half ihr Langzeitfreund Kar, der erfolgreiche Autor, aus der Schreibkrise, aus dem dramatischen Schreiben in die Prosa. Die Idee, einen Roman über Kar mit dem Titel »Autopsie eines Feministen« zu schreiben, in dem Kar als »Vorreiter dieser pseudofeministischen Bewegung« zum König gekürt wird, verwirft sie und lenkt sich vom noch frischen Liebeskummer nach der Trennung durch eine Affäre mit Andi ab.
Andi Müller ist freier Schauspieler und Vater der zehnjährigen Zwillinge Rom und Remu. Wie ehemals Kar macht er der Autorin Hoffnungen à la »Ich kann dir doch ein Kind machen«. Doch spätestens als Andi seinem Künstlerfreund Jérome zur Seite steht, anstatt auf den Vertrag ihres Verlags anzustoßen, bröckelt auch diese Beziehung. Jérome, der »sich in seinen Werken intensiv mit den brisanten Themen der Gegenwart beschäftigt. Feminismus, Queerness, Klima. Der mit einem Filmessay über toxische Männlichkeit den Preis und die Auszeichnung erhielt«, bleibt, die Autorin geht. Wieder einer, der als König der pseudofeministischen Bewegung herhalten könnte.
Also sieht sich die Protagonistin gezwungen, sich, »endlich im fruchtbaren Fenster«, in enge, meist glitzernde Teile aus der fröhlichen Ausgeh-Abteilung ihres Kleiderschranks zu quetschen, um dann doch wieder nicht am Ziel Familie anzukommen. Schlau werden hier die Unsicherheiten moderner Liebesbeziehungen (Männlichkeit? Weiblichkeit? Verbindlichkeit?) neben die Planungsunsicherheit im Kulturbetrieb gesetzt, in dem sich die Protagonistin geübt, aber mit Zweifeln und harscher Selbstkritik, bewegt.
»Zu unerfolgreich für Goethe, zu erfolgreich für das Jobcenter«, fasst sie ihre Situation zusammen, und als Leserin verspürt man den dringenden Wunsch, ihr eine — wenn nicht gleich mehrere — sehr wohlwollende Freundinnen anzudichten, die dann an ihrer Stelle regeln und dabei helfen, den unglaublich lebensmüden »Zustand« in etwas anderes zu wandeln. Dieses Aufatmen gönnt Önder in ihrem Roman selten und konzentriert sich stattdessen auf schneidend scharfsinnige Analysen ebendieses Zustands großer urbaner Einsamkeit, Verzweiflung und Wut.







