Monikas Baers Auseinandersetzung mit dem Potenzial des gemalten Bildes dienen die Etappen seiner kunstgeschichtlichen Entwicklung als Fundus. Kühn und sehr gekonnt nutzt die Künstlerin für ihre Bildvorstellungen, was da an malerischen Traditionen und Techniken zur Verfügung steht. Die Ausstellung im Kölnischen Kunstverein versammelt elf großformatige Gemälde aus den jüngsten beiden Werkserien der 1964 geborenen Künstlerin.
Der reiche Fundus, auf den Baer zurückgreift, erleichtert nicht unbedingt deren Verständnis, wie sich vor dem ersten der fünf »Schweine Steine Scherben«-Bilder herausstellt. Eine roséfarbene Paste überzieht darauf eine nur noch an den Bildrändern sichtbare Backsteinmauer, wobei sich noch zu entscheiden scheint, ob die Übernahme gelingt. Die hellroten Steine entpuppen sich als abstrakte kleine Malereien, man entdeckt ähnliche Linien und Flecken im benachbarten Rosé und überlegt, ob die eingeritzte Figur mit dem Hut den Symbolisten Odilon Redon darstellen könnte. Der schwirrt schon länger durch das Werk von Monika Baer und hat wohl auch die raumgreifende Setzung der pastosen Farbe angeregt.
Die Variationen führen zu den »Lavender Walls«, auf denen ein blassviolett lasierter Acryl-Sand-Putz die Leinwand vollständig bedeckt. Sie gingen als Monochrome durch, wären da nicht die von Farbpigmenten akzentuierten Sgraffiti — Fratzen, Knochen, ein behelmtes Rieseninsekt, Brüste und Hintern oder Würmer mit Köpfen. Sie erinnern an eine Art Brut ebenso wie an wüste Wandkritzeleien. Auf den unbetitelten, etwas früheren Arbeiten lockt ein naturalistisch gemalter Mantel mit glänzendem Innenfutter. Er ist auf einem Sims abgelegt, über dem sich in der diffusen Malerei Felsnischen und andere Räume eröffnen, während die Wände darunter bunte Mosaikfragmente tragen.
Die Werke von Monika Baer wollen nichts erzählen, sie inszenieren das Zusammenspiel von Malerei, Bildgegenstand und Illusion. Dennoch assoziiert man beim Rundgang gegenwärtige Entwicklungen, wenn rosafarbene Seide aus einem militärisch wirkenden Mantel quillt, unter den Sgraffiti ein Donald Trump auf einem Schwein galoppiert und bildliche Attrappen Mauern besetzen wie Fakes das Internet. Zieht man dann noch den Ausstellungstitel »Defection« ((pol.) Überlaufen, (fig.) Abtrünnigkeit, Abfall) heran, gerät man ins Sinnieren. Baers Gemälde haben eine erstaunliche Wirkungskraft.
Monika Baer. Defection, Kölnischer Kunstverein, bis 3.5.;
Di–So 11–18 Uhr
Gespräch zwischen Monika Baer und Amy Sillman, So 3.5., 19 Uhr







