So muss es für Truman Burbank gewesen sein, als plötzlich seine Welt einriss wie eine billige Fototapete. In der ikonischen Schlussszene von »The Truman Show« geschieht dies nahezu wortwörtlich, als der Protagonist gegen die bemalten Kulissenwände stößt, innerhalb derer sich sein bisheriges Leben abgespielt hat.
Während im Filmklassiker geldgierige Produzenten die Geschicke lenken, ist die Realität hinter den aufrüttelnden Bildwelten von Jon Rafman nicht mehr greifbar. In Düsseldorf zeigt der 1981 geborene Kanadier eindrücklich das schwindelerregende Ausmaß, in dem Algorithmen und KI unsere Wirklichkeit gestalten und das »wahre Leben« zur Farce degeneriert. [Kritik an der Ansetzung der Ausstellung in der letzten Stadtrevue-Ausgabe, Anm. d. Red.]
Im Untergeschoss des K21 breitet sich der »virtuelle Wahnsinn«, wie der Künstler selbst sagt, in seiner unerbittlichen Fülle aus. Überforderung und Desorientierung sind bewusst einkalkuliert. Für seine visuell-narrative künstlerische Praxis schöpft Rafman aus den Untiefen des Internets. Schon das 2008 begonnene und bis heute fortlaufende Projekt »Nine Eyes of Google Street View« thematisiert die Diskrepanz zwischen maschinell erzeugten Ansichten und menschlich-empathischen Sehen.
Das immersive All-Over der bedruckten Wanddrapierungen und Bodenbelägen verwandelt den Raum in eine dunkle Höhle mit leuchtenden Monitoren und Leinwänden. Umgeben von einem beklemmenden visuellen Rauschen und hypnotisch-monotonen Erzählstimmen, sowie einer an diffuse Sehnsüchte rührenden Soundkulisse, gerät man in einen unbehaglichen Sog.
Getragen von Faszination und Widerwillen surft man durch grelle Schockeffekte und Sensationsmotive, begegnet Body Horror, Klimakatastrophen und einsamen Teenagern, die sich mit einem Walross identifizieren.
Rafman, der mit MTV und Reality-Shows aufgewachsen ist, setzt hier ein: bei den alltäglichen Sensationen der digitalen Bildkultur und ihren bizarren Auswüchsen. Vergeblich sucht man den Wahrheitsgehalt hinter den teils grotesk mutierten Bildern. Wie in »The Truman Show« brechen in »Main Stream Media« existenzielle Sicherheiten weg. Übrig bleibt die erschreckende Erkenntnis, dass es unsere eigenen Bedürfnisse sind, die in die wahren Abgründe führen.







