Aus dem Deutschunterricht kennt man Ernst Jandl durch Lautgedichte wie »schtzngrmm« und die sprachspielerische Poesie von »ottos mops«. Doch der 1925 in Wien geborene und 2000 verstorbene Dichter legte genauso Gedichte von ernsthaftester sprachlicher Gestalt vor, wie die »beschreibung eines gedichts«, ein poetologisches Liebesgedicht, das die präzise sinnliche Wahrnehmung einer lautlosen Atembewegung kurzschließt mit den drei so potenziell kitschigen Worten »Ich liebe dich«, die bei Jandl alles Phrasenhafte verlieren.
Die Schriftstellerin Marica Bodrožić, deren genrekreuzende poetische Prosa zuletzt in Büchern wie »Die Arbeit der Vögel« und »Mystische Fauna« erschien, widmet sich im kürzlich erschienenen Band »Ernst Jandl zum 100.« seiner »beschreibung eines gedichts«, über das sie bei »Anderland« gemeinsam mit der Autorin Kerstin Hensel und dem Dichter Norbert Hummelt spricht, der lange in Köln lebte. Am zweiten Abend der sechsten Ausgabe des Kölner Poesiefestivals lesen die Gäste auch eigene Texte.
Von Kerstin Hensel erschienen zuletzt die Novelle »Regenbeins Farben« sowie der Gedichtband »Cinderella räumt auf«, und Norbert Hummelt stellt mit dem im November erscheinenden »Helllichter Tag« seinen ersten Gedichtband seit fünf Jahren vor.
Auch die neuen Gedichte des 1962 in Neuss geborenen Schriftstellers konservieren lange zurückreichende dichterische Traditionen und Stimmen und schlagen einen Tonfall an, in dem eine weit zurückliegende Zeit mitschwingt. »wenn man so liegt/ u. nie nach draußen kann dann wird man eines tages krank/ am herzen«, befürchtet das lyrische Ich in »zwiegespräch«, ein programmatischer Gedichttitel, holt diese dialogische Lyrik doch aus zu Gesten des Herbeisprechens, des »helllichten Tages« in der Bedrückung, der Straße und des Draußen im engen Zimmer, eines »du« in der Einsamkeit.
Aber es mischen sich auch kolloquiale Töne in Norbert Hummelts Verse. »kennst du die worte, die einer zu dir spricht? nein, / ich kenn die worte verdammt nochmal noch nicht«, so beginnt das poetologische erste Gedicht des Bandes, »supermond«. Die »worte« kennenzulernen, die Resonanz wahrhaftigen dichterischen Sprechens in dunklen Stunden: Auf diese Suche »verdammt nochmal« begibt sich Norbert Hummelts neue Lyrik.







