Der 30-jährige Erzieher Pedro Corona ist seit einem Polizeieinsatz in seiner Kölner Wohnung schwerstbehindert. Die Staatsanwaltschaft hat knapp vier Monate nach dem Vorfall doch noch die Ermittlungen aufgenommen.
Ermittelt wird gegen zwei olizisten und eine Notärztin wegen des Verdachts auf Körperverletzung im Amt. Grund dafür sei das Video, das Angehörige auf Pedros Handy entdeckt hatten, erklärt die Kölner Staatsanwaltschaft auf Anfrage der Stadtrevue. Auf dem Video sei zu sehen, dass der Erzieher keineswegs in einem psychischen Ausnahmezustand darauf reagiert hat, dass die Polizisten und die Ärztin von ihm die Öffnung der Wohnungstür verlangten. Das widerspreche deren schriftlichen Erklärungen. Tatsächlich fragte Pedro immer wieder: »Warum soll ich rauskommen? Warum muss ich aufmachen?« Offenbar wusste der Venezolaner nicht, dass er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden sollte. Dass erst jetzt die Ermittlungen aufgenommen wurden, begründete Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer damit, dass im April die Beweislage dafür nicht ausgereicht hätte.
Die Staatsanwaltschaft hätte von Amts wegen ermitteln müssen und nicht erst, weil ein Rechtsanwalt die Welle macht, die Presse draufspringt und dadurch Druck entsteht
Simón Barrera González, Pedros Anwalt
Was ist passiert? Pedro Corona geriet am 8. April in eine psychische Krise. Seine Freunde vor Ort entschieden sich deshalb gemeinsam mit seiner Mutter, den Rettungsdienst zu holen. Die Notärztin konnte mit ihm eine halbe Stunde sprechen. Dabei berichtete er ihr von seiner psychischen Erkrankung und auch von seiner HIV-Infektion. Die Ärztin entschied, ihn mit Hilfe der Polizei in eine Klinik einzuliefern. Aus der vermeintlichen Hilfe wurde dann aber — so der Eindruck — ein Überfall, dessen Beginn Pedro noch mit seinem Handy dokumentierte. Einer der Polizisten versucht ihn zu packen, das Handy fliegt durch die Luft. Ende der Aufnahme. Pedros Anwalt Simón Barrera González konnte mittlerweile auch die Aufzeichnungen der Bodycams der beteiligten Polizisten anschauen. »Er war an Händen und Beinen mit Handschellen und Kabelbindern gefesselt und zusammengeschnürt wie ein Paket. So wurde er über 20 Minuten in Bauchlage gelassen«, sagt der Anwalt. Vielleicht hätten die Beamten Angst vor einer Ansteckung gehabt, obwohl Pedro aufgrund seiner Medikamente gar nicht ansteckend war. »Aus meiner Sicht hat die Polizei ein deutliches Defizit im Umgang mit psychotischen Menschen. Ich habe ganz viele solche Mandate, und dazu kam bei Pedro noch ein zweites Stigma dazu, nämlich die HIV-Infektion.«, sagt González.
Pedro ist während des Einsatzes kollabiert, sein Herz stand 23 Minuten lang still. Jetzt hat er schwere irreparable Hirnschäden und wird in einer Bonner Pflegeeinrichtung versorgt.
Dass nun endlich ermittelt wird, wer dafür die Verantwortung trägt, ist für González ein Teilerfolg mit ganz bitterem Beigeschmack: »Pedro hat nichts mehr davon. Außerdem hätte die Staatsanwaltschaft von Amts wegen ermitteln müssen und nicht erst, weil ein Rechtsanwalt die Welle macht, die Presse draufspringt und dadurch Druck entsteht.«







