Clowns, bunte Kostüme, Blaskapellen und spektakuläre Kunststücke in der Manege — so sieht für viele noch immer das klassische Bild vom Zirkus aus. Doch Zirkus kann viel mehr. Neben dem traditionellen Zirkus hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine weitere, ganz eigene Form entwickelt: der zeitgenössische Zirkus.
Seine Ursprünge liegen in den 1970er-Jahren. Wer sich auf eine Vorstellung einlässt, merkt schnell: Hier gelten andere Regeln. Statt nur spektakuläre Artistik und Unterhaltung zu zeigen, verbindet der zeitgenössische Zirkus verschiedene Kunstformen miteinander. Akrobatik trifft auf Theater, Tanz auf Musik. Die Artist:innen erzählen dabei nicht unbedingt mit Worten, sondern vor allem mit ihren Körpern und selbst gebauten Objekten. Während der Performances werden Bewegungen zu Bildern. Eine klassische Manege gibt es meistens nicht. Zeitgenössischer Zirkus kann auf einer Theaterbühne, in einer alten Fabrikhalle, unter freiem Himmel oder an anderen ungewöhnlichen Orten stattfinden. Auch bei den Themen gibt es kaum Grenzen: Es kann um persönliche Erlebnisse, Freundschaft, Gefühle, gesellschaftliche Fragen oder ganz alltägliche Situationen gehen. Die Artistik bleibt zwar ein wichtiger Bestandteil, ist aber nicht nur ein spektakulärer Trick. Sie wird zu einer Sprache, mit der die Künstler:innen etwas erzählen und Gefühle ausdrücken. Genau das macht den zeitgenössischen Zirkus so spannend. Er überrascht, unterhält und lädt dazu ein, den Begriff »Zirkus« ganz neu zu entdecken.
Statt nur spektakuläre Artistik und Unterhaltung zu zeigen, verbindet der zeitgenössische Zirkus verschiedene Kunstformen miteinander
Wie das konkret aussieht, könnt ihr beim ZZiSch-Festival (Zeitgenössischer Zirkus zur Schulzeit) erleben. Vom 7. bis 11. September findet das Festival im Creation Center Contemporary Circus (CCCC) in Kalk statt. Auf dem Programm stehen verschiedene Performances, die zeigen, wie vielseitig moderner Zirkus sein kann. Mit dabei ist zum Beispiel das Trio KAAY. Die drei Freund*innen Julian, Max und Nele verbinden Theater, Zirkus und Musik. In ihrem Stück »Lutz Horizontal« geht es um Lutz, der eigentlich nur einen entspannten Tag am See verbringen möchte. Doch statt einfach die Sonne zu genießen, denkt er ständig über die großen Fragen des Lebens nach. Was dabei herauskommt? Eine ungewöhnliche Geschichte über unsere eigenen Widersprüche und darüber, wie wir lernen können, damit umzugehen. Vielleicht hilft das ja sogar dabei, in einer manchmal chaotischen Welt wieder näher zusammenzurücken.
Außerdem zu sehen: »Drift«, eine Zirkusshow mit Luftakrobatik und Live-Musik. Die Künstlerinnen von LESS KUERDAS zeigen damit, wie wichtig Vertrauen, gegenseitige Hilfe und Zusammenhalt sind. Dabei werden auch die Zuschauer:innen auf besondere Weise einbezogen. So entsteht ein gemeinsamer Raum, in dem alle miteinander verbunden sind. Und wenn ihr schon immer einmal davon geträumt habt, wie Peter Pan zu fliegen, dann seid ihr beim ZZiSch-Festival auch genau richtig. In ihrer Performance »Peter Pan — Wenn Träume fliegen« verbinden die Künstler*innen von ANGELS Aerials Theater, Tanz und spektakuläre Luftakrobatik. Peter Pan fliegt über den Köpfen des Publikums, die Verlorenen Kinder tanzen an Wänden und Tinker Bell schwebt durch den Raum. Natürlich darf auch der gefürchtete Hook nicht fehlen. Das Besondere: Kinder und professionelle Künstler:innen stehen beziehungsweise fliegen gemeinsam über die Bühne.
Das Festival findet von Montag bis Freitag, jeweils von 9:30 Uhr bis 12:30 Uhr statt. Neben den Performances gibt es auch immer wieder Raum für Gespräche, Austausch und Reflexion zu den gesehenen Darbietungen. Es gibt ausschließlich Tagestickets, die für alle Vorstellungen des jeweiligen Tages gültig sind. Gespielt wird in drei Blöcken mit unterschiedlicher Anzahl von Performances. Hin und wieder laufen Veranstaltungen parallel und ihr könnt entscheiden, welche Show ihr an dem Tag besuchen möchtet. Am Sonntag, 6.9. gibt es ab 13 Uhr eine große Eröffnungsveranstaltung, bei der Ausschnitte aus dem Programm der kommenden Woche gezeigt werden.







