Der geschärfte Geschmack
»The Soulful Shack«, gleichsam DJ-Team und Partyreihe, existierte zwischen 1985 und 1995 an diversen Locations bundesweit, aber Basis und Gründungsort war Köln. Gegründet wurde das nach einem Stück von Smokey Robinson & The Miracles benannte Team von Gerald Hündgen, Olaf Karnik, Frank Schäfer, Wilfried Rütten und Michael Kerkmann, zu häufigen Gästen gehörten Dirk Scheuring und Markus Jähnig. Zunächst noch in der Salznuss (dem heutigen Tsunami) beheimatet, fand die Party ab 1987 ihre Homebase im Stadtgarten.
Anlässlich des vierzigsten Geburtstags wollen es Olaf Karnik und Frank Schäfer, die verbliebenen Mitglieder von »Deutschlands selbsternanntem Soul-DJ-Team Nummer 1«, noch einmal wissen — am 27.9. findet der Soulful Shack nach 30 Jahren erneut statt, natürlich im Stadtgarten.
Eine der Gründe, weshalb der Gedanke einer Reunion überhaupt virulent wurde, ist dem Eindruck geschuldet, dass der Soulful Shack »nicht dokumentiert ist«, so Olaf Karnik. »Heutzutage erscheinen zu allem Möglichen Rückblicke in Form von Büchern oder Radiosendungen. In dem Zusammenhang ist uns aufgefallen, dass es zum Soulful Shack nichts gibt.« Daher wird zur Jubiläumsveranstaltung auch eine Publikation erscheinen, die anhand von Fotos, Listen, Artikeln sowie Nachrufen auf die verstorbenen Mitbegründer Gerald Hündgen und Wilfried Rütten die Geschichte des Soulful Shack zum ersten Mal umfassend aufzeigt.
Olaf Karnik, der sich nach dem Ende des Soulful Shack in den mittleren 1990ern wieder anderen musikalischen Spielarten widmete und diese journalistisch aufbereitete (auch in der Stadtrevue), gibt zu Protokoll, ein wiedererstarktes persönliches Interesse an Soul habe dazu beigetragen, »noch einmal an die Vergangenheit zu erinnern und unser Jubiläum zu feiern. In dieser Hinsicht geht es auch darum, unseren spezifischen Ansatz zu betonen, denn dieser war nie nur auf Sixties Soul beschränkt«. Vor allem dem 2007 verstorbenen Gerald Hündgen sei zu verdanken, dass selbst in den Anfangstagen der Veranstaltungsreihe immer schon aktuelle Soulproduktionen zu ihrem Recht kamen.
Bis 1987 lag der Schwerpunkt allerdings auf Northern Soul, angelehnt an die Tradition von Club-DJs der frühen 1970er Jahre in Nordengland, die sich ausschließlich auf Material aus der vorangegangenen Dekade konzentrierten, das aber so obskur war, dass es neu, frisch und aufregend wirkte. Frank Schäfer: »Gerald Hündgen und Clara Drechsler waren 1984 in England, um für die Musikzeitschrift Spex über Northern Soul zu recherchieren. Im Anschluss daran kam die Idee auf, dass wir etwas Vergleichbares hier organisieren könnten.«
Dennoch wird Wert auf die Feststellung gelegt, dass man damals keine Kopie der britischen Northern-Soul-Szene anstrebte. Ein Umstand, der auch praktische Gründe hatte. Während im UK Original-Siebenzoll-Singles auf den Soul-Allnightern liefen, war es in Deutschland ungleich schwieriger, an die Platten heranzukommen. Frank Schäfer: »Ab 1982 ging es los mit Compilations auf den Labels Kent und Charly. Ansonsten gab es außer Motown-Reissues nichts, was man in den Läden kaufen konnte. LPs von Curtis Mayfield in Deutschland zu bekommen, war damals unmöglich.«
Die Phase zwischen 1987 und 1991 gilt als Hochzeit des Soulful Shack. Bis zu 900 Gäste pro Abend tanzten im Stadtgarten. Musikalisch fand eine Abkehr von tendenziell rauem, auf selbstzweckhaftes Uptempo setzenden 60er Soul zugunsten von 70er Soul sowie neu entdeckter »Mikro-Genres« wie Rare Groove, Crossover oder Two-Step, die eher im Zeichen von elegantem Groove standen. Zu dieser Zeit ersetzte der Münchner Michael Reinboth den scheidenden Michael Kerkmann im Line-up.
Wir wollten unbekannte Musik, die wir super fanden, bekannter machen. Wir haben das Auflegen sehr ernst genommen
Olaf Karnik
Trotz der Loslösung von Sixties-Stompern ist es für Karnik und Schäfer wichtig zu betonen, dass Tanzbarkeit stets eine zentrale Rolle spielte. »Grundsätzlich muss man sich vor Augen führen: je voller das Haus ist und je mehr Zuspruch man bekommt, desto eher ist man bereit, auch mal ein Wagnis einzugehen. Man muss nicht brettern, sondern kann auch Midtempo spielen.« Musikalisches Spezialistentum, das sich auf einen Stil festlegt, steht oft im Ruf, elitäre Strukturen zu befördern. Dass der aktuelle Pressetext die DJ-Sets des Shack als »didaktisch orientierte Programmgestaltung« beschreibt, scheint dies zu bestätigen. »Es war der Versuch, den Leuten Soul näher zu bringen. Wir haben auch die Programmhefte gehabt, die über bei uns gefeaturte verschiedene Soul-Spielarten informierten«, so Olaf Karnik. Frank Schäfer: »Man wollte den Leuten etwas erklären. Für Außenstehende war es manchmal schwer zu verstehen, was auf unseren Veranstaltungen passierte. Wer normalerweise in Discos ging, musste erst einmal damit klarkommen, bei uns Stücke zu hören, die völlig unbekannt waren.« Karnik: »Es gab viele Diskussionen darüber, was wir spielen. Was ist erlaubt, was nicht. Es war völlig klar, dass »Sex Machine« von James Brown auf dem Soulful Shack nie laufen würde. Ich mag das Stück, aber der Shack war nicht der Ort dafür. Das gilt für Michael Jackson, Prince ebenso. Wir wollten unbekannte Musik, die wir super fanden, bekannter machen. Das hat geholfen, den Geschmack zu schärfen. Wir haben das Auflegen sehr ernst genommen.«
Der Soulful Shack hat tatsächlich Pionierarbeit geleistet — für die gesamte Kölner Clubkultur, weil die DJs die Musik in den Vordergrund gerückt haben. Während in klassischen Discos der 70er und 80er Jahre Musik lediglich als Mittel zum Zweck fungierte, wurde sie im Shack zur Hauptsache erhoben. Was von außen betrachtet nerdig erscheinen mag, zeugt von Liebhabertum. Dass stetige Verfeinerung eine notwendige Begleiterscheinung darstellt, erklärt sich von selbst.
Dabei beeilen sich Karnik und Schäfer zu betonen, dass sie Platten nie danach beurteilt haben, ob sie rar sind oder nicht. Tatsächlich sind sie darauf bedacht, sich vom aktuellen »Raritätenbonus« abzugrenzen: »Der Unterschied von heutigen Szenen zu früher ist der, dass man damals angefangen hat mit verfügbaren Standards und Klassikern. Zuerst kamen Motown und Stax und danach Northern Soul. Heute findet man Soul-Fans, die 2000 Rare-Soul-Singles besitzen, aber keine einzige Stevie-Wonder- oder Marvin-Gaye-Platte, vielleicht nicht mal eine Curtis-Mayfield- und erst recht keine Al-Green-Platte, und da hört es dann für uns auf. Deswegen haben wir auch keine Probleme damit, Stücke von den GAye oder Mayfield aufzulegen. Die Qualität entscheidet.«
stadtrevue präsentiert
The Soulful Shack — 40th Anniversary Soul Allnighter
Ergänzt wird das Soulful-Shack-Team am 27.9. von Malayka (Soulshakers Bamberg) sowie dem Kölner DJ Twit One — neue Schule trifft auf alte Schule