»Ehrenfeld war schon eine gute Fügung«: Saskia Kiesewetter und Jan Lachmann von der veganen Fleischerei

Oktopusarme aus dem 3D-Drucker

Köln hat jetzt eine vegane Fleischerei — in Ehrenfeld ist das der Renner

In Dresden gab es 2023 teils er­boste Reaktionen bei der Eröffnung. In Köln standen jetzt die Menschen fast zwei Stunden Schlange, um einzukaufen. »Die Vegane Fleischerei«, ein Dresdner Start-up für Fleischersatzprodukte, sorgt mit seinen Filialen für Aufmerksamkeit. Das Franchise-Unternehmen boomt. Bislang gibt es Filialen in München, Augsburg, Hamburg und Berlin; weitere sind geplant. »Es gab schon eine Er­wartungshaltung, dass auch in Köln eröffnet wird«, erzählt Saskia Kiesewetter, die in Köln mit Jan Lachmann die Geschäfte führt. »Über Social Media hatte das Unternehmen gefragt, wo die nächste Filiale eröffnen soll, und da war Köln immer weit oben.« Sonderlich überrascht vom Andrang ­wirken die beiden nicht. »Das mit ­Ehrenfeld war schon eine gute ­Fügung«, sagt Kiesewetter, die während des Studiums der Literatur- und Kulturwissenschaften in der Gastronomie gejobbt hat, unter anderem im Schokoladen­museum. Lachmann ist ausgebildeter Erzieher, hat zudem in der Wohngemeinschaft, Bar und Hostel an der Richard-Wagner-Straße, gearbeitet. »Ich hatte also auch schon einen gastronomischen Hintergrund, aber eben nicht in so einer Führungsposition«, sagt er. 

Wie erklären sich die beiden den Zulauf, wenn man Fleischersatz doch in jedem Supermarkt bekommt? »Wir sind ein Fachhandel, bei uns kann man probieren und die Menge selbst zusammenstellen«, sagt Kiesewetter. Sie habe früher immer gestört, dass ein paar Scheiben vegane Wurst, die bloß für ein Frühstück reichen, jeweils einzeln in Plastik verpackt sind. »Und wir haben vieles, was es in keinem Supermarkt gibt, etwa das Lachsfilet oder Oktopusarme, die aus dem 3-D-Drucker kommen.« Denn ­neben veganem Fleisch bekommt man in Ehrenfeld auch veganen Käse. Zudem sei man eine Alternative zu den veganen Produkten von ­Firmen, die ja weiterhin auch Schlachtbetriebe seien, so ­Lachmann. »Es gibt einfach ­ethische Gründe, warum die ­Leute zu uns kommen.«

Etwa Dreiviertel des Sortiments kommen aus dem Stammhaus in Dresden, der Rest wird ­zugekauft, die Salate vor Ort hergestellt. »Die Basis für die Produkte sind unter anderem Seitan und Soja, wobei auch das aus Europa kommt«, sagt Lachmann. »Vieles basiert aber zunehmend auf ­Erbsenprotein, ein relativ neuer Trend, der den Vorteil hat, dass die Produkte glutenfrei sind.« Und doch enthalten die veganen ­Produkte auch Zusatzstoffe. 

Mir geht das Herz auf, wenn auch die Oma von ­nebenan reinkommt und sagt, dass sie probieren willJan Lachmann 

»Dass das ungesund wäre, ist ja ­typisches Bashing«, sagt Lachmann. »Aber erstens geht es ja vor allem darum, Tierleid zu vermeiden und zweitens sollten Fleischesser auch mal auf die Zutaten­liste ihrer Wurst gucken.« 

Beim Besuch im Laden scheint es, dass die Kundschaft überwiegend zwischen 30 und 40 Jahren alt und weiblich ist. Dass der Anteil von Frauen unter der Kundschaft »etwas höher ist, ­vielleicht so 60 zu 40«, schätzt auch Lachmann, aber die Altersspanne sei durchaus größer. »Mir persönlich geht das Herz auf, wenn auch die Oma von ­nebenan reinkommt und sagt, dass sie mal probieren will«, so Lachmann. Zudem kämen die Menschen nicht nur aus Köln. »Gerade am Wochenende kommen viele aus dem Umland: Erftstadt, Düsseldorf, ­Aachen, Ruhrgebiet«, sagt Kiesewetter. »Das sind in der Regel Paare zwischen 45 und 60. Die kommen mit der Kühltasche und haben ihren Einkauf richtig geplant.«

Aber es gibt noch einen weiteren Grund für den Andrang: die Heiße Theke. Bei einem Besuch sieht man viele, die hier einkaufen und sich noch einen Imbiss auf die Hand mitnehmen. »Das Leberkäsebrötchen ist eindeutig das, was am besten geht«, so Kiesewetter. »Das kostet fünf Euro, macht satt, und die Leute können kaum fassen, wie echt das schmeckt.« Ebenso wie bei der veganen ­Currywurst unterscheidet sich der Geschmack tatsächlich kaum vom Original, die Textur ist sehr ähnlich, die Würzung ohnehin.

Doch im Lokal gibt es keine Sitzgelegenheiten, nur zwei ­Bierbänke vor der Tür. Könnten Sitzplätze nicht noch den Umsatz steigern? »Vom Gewerbe her sind wir vegane Metzgerei mit Imbiss«, sagt Kiesewetter. »Sobald wir ein gastronomisches Angebot hätten, bräuchten wir eine andere Nutzungserlaubnis. Wir überlegen aber für den Frühling eine Außengastronomie zu beantragen.«

Die Vegane Fleischerei, Ehrenfeld, Venloer, Str. 382, vegane-fleischerei-koeln.de, Ö: Mo–Sa 11.30–20 Uhr