Wohin will die CDU? Für JU-Mitglied Dennis Splitt ist die Richtung klar

Rechtsabbieger

Der Vize-Vor­sitzende der Jungen Union Linden­thal hat mit der AfD den Verein ­»Wende­punkt Deutsch­land« gegründet. Ein Blick in die Spitze des JU-Orts­verbands

Ein »überparteiliches Demokratieprojekt« mit der AfD — für Dennis Splitt von der Jungen Union (JU) Lindenthal ist das kein Widerspruch. Splitt gründete im Dezember den Verein »Wendepunkt Deutschland«, zusammen mit »Vertretern aus AfD, CDU und SPD«, so steht es in der Presse­mitteilung. Serap ­Güler, die Kölner CDU-Vorsitzende, reagierte prompt und will ein Partei­ausschluss­verfahren gegen Splitt anstreben. Der sogenannte Un­verein­bar­keits­beschluss der CDU unter­sage jegliche Zusammen­arbeit mit der AfD auf allen politischen Ebenen, so Güler. Splitt tritt als Bundes­vorsitzender des neuen Vereins auf.

»Wendepunkt Deutschland« hat nach eigenen Angaben einen Kölner Ableger, dem Gionathan Cosca vorsteht, Mitglied der neuen Wählergruppe Kölner Stadtgesellschaft (KSG), und ­einen deutschlandweiten Dachverband. Vorbild ist »Turning Point USA«, die Organisation des rechten ­Aktivisten Charlie Kirk, der im September vergangenen Jahres ermordet wurde. Das deutsche ­Pendant soll eine »überpartei­liche, unabhängige Plattform für die ­Diskussion gesellschaftlicher und politischer Themen« bieten, schreibt Splitt auf Anfrage. In der Pressemitteilung heißt es, »Wende­punkt Deutschland« sei eine ­Reaktion auf ein »gesellschaftliches Klima, in dem viele das Gefühl haben, ihre Meinung nicht mehr frei äußern zu können«. 

Die Meldung wurde nicht nur an Medien, sondern auch an sieben AfD-Mail­adressen verschickt, ­darunter an den Kölner AfDler Michael Nickel und den Hamburger AfD-Sprecher Robert Offermann, der laut der taz 2009 an einem Aufmarsch der NPD teilnahm. Einer der Vertreter von Dennis Splitt ist Matthias Büschges von der AfD-Fraktion im Kölner Stadtrat. 

Wie steht die Junge Union Köln zu dem Vorgang? Deren Vize Aaron Appuhn verurteilt die Zusammen­arbeit Splitts mit der AfD: »Das passt nicht zur Jungen Union.« Auch aus CDU-Partei­kreisen heißt es einstimmig, eine Zusammen­arbeit von Partei­mitgliedern mit der AfD werde nicht geduldet. Die Kölner CDU bekenne sich klar zur Brand­mauer, sagt der CDU-Fraktions­chef Bernd Petelkau.

Aus Hintergrundgesprächen mit Menschen aus dem Linden­thaler Stadt­bezirk erfährt man, Dennis Splitt habe in seiner Anfangs­zeit in der Jungen Union ­versucht, dort ein Bekenntnis zu erz­konservativen Werten voran­zutreiben. Er befürworte Gespräche mit Rechts­außen. Mehrmals wird auch betont, die eigent­lich fort­schrittliche Linden­thaler CDU habe sich nicht recht­zeitig darum gekümmert, solche Tendenzen im Orts­verband der JU einzu­hegen. Die Vorsitzende des Stadtbezirk­sverbandes Teresa De Bellis-Olinger wollte sich in der Stadtrevue nicht öffen­tlich äußern. 

Die Kölner CDU bekennt sich klar zur BrandmauerBernd Petelkau, CDU

Kein Problem mit rechtem ­Gedanken­gut hat offenbar Benedict Doege, der im Juli 2025 zum Vorsitzenden der JU Linden­thal gewählt wurde. Doege betreibt seit Jahren den Instagram-Kanal »Gegen das Gendern«. Auf der ­dazu­gehörigen Website verkauft ­»patriotische« Kleidung und Aufkleber. Ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Smash Ideology« zeigt eine Faust, die eine Regen­bogen­fahne zerdrückt; auf einem anderen Shirt steht »Heimat­liebe ist kein Verbrechen«, darüber sind die Deutschland­flagge und das Hermanns­denkmal zu sehen, das seit der NS-Zeit von Rechts­extremen ideo­logisch verein­nahmt wird. Doege initiierte im vergangenen Jahr am Tag der deutschen Einheit eine »patrio­tische Wanderung« zum Hermanns­­denk­mal, an der auch Rechts­extreme teil­nahmen. Damals hatte CDU-Chefin Serap Güler im Kölner Stadt-Anzeiger kritisiert, dass bei dem Marsch die Teil­nahme von radikalen und vom Verfassungs­schutz beobachteten Personen in Kauf genommen ­worden sei. 

Doege reagierte bis Redaktions­schluss nicht auf die Anfrage der Stadtrevue. Aaron Appuhn von der Kölner JU sagt, Benedict ­Doege stehe »unzweifelhaft zur freiheit­­lich demo­kratischen Grund­ordnung«, sei allerdings der Meinung, dass auch wert­konservative Positionen die CDU prägen müssten — und die seien in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen. Appuhn ist über­zeugt, dass Doege von manchen JU-­Mitgliedern nicht trotz, sondern gerade wegen der auf seinem Kanal »Gegen das Gendern« verbreiteten Inhalte zum Vorsitzenden der JU Lindenthal gewählt wurde.

Im Gespräch betonen CDU- und JU-Mitglieder, dass sich das Verhalten Doeges nicht mit dem von Splitt vergleichen lasse: Splitt arbeite im Gegen­satz zu Doege in seiner Funktion als CDU-Mitglied mit der AfD zusammen; Doege hingegen äußere sich nur privat »rechts­populistisch«, distanziere sich aber von einer Kooperation mit der AfD.