Jahrzehntelang war das Landhaus Kuckuck die gute Stube des Kölner Westens. Altmeister Erhard Schäfer hielt hier französisch-deutsche Klassik in Ehren. Nun ein radikaler Wechsel: Das Kuckuck heißt jetzt Mâide, der Raum trägt Fliesen statt Teppich, von der Decke glitzern Glaslüster, und eine meterlange Kühltheke lässt niemanden im Unklaren, was jetzt das kulinarische Thema ist: Fleisch, vor allem am Spieß, gern mariniert; das Angebot für Vegetarier ist überschaubar.
Die angepriesene anatolische Küche wird offensichtlich etwas freier interpretiert. Die viele Gerichte begleitende Champignon-Sahnesauce oder den Russischen Salat (6,90 €), der erstaunliche Mayonnaise-Mengen enthält, würden wir eher nicht dazu zählen. Ob Kalbsleber (18,90 €) oder Hähnchen-Schaschlik (22,90 €) — die Küche frittiert und grilliert, was das Zeug hält und pflegt ein unverkrampftes Verhältnis zu Garpunkten. »Essence of Taste« steht am Eingang — die Essenz ist hier vielleicht, dass der Geschmack gar nicht so wichtig ist, sondern das Erlebnis: Man sitzt auf einer der schönsten Terrassen Kölns unter prächtigen Bäumen, und das heitere Service-Team kümmert sich um türkische Familienfeste ebenso rührend wie um die ergrauten Paare aus der Umgebung. Alkohol wird nicht ausgeschenkt, obwohl wir zum Abschluss gut einen Schnaps hätten brauchen können.







