StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 2.2017

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Tempo 30-Zonen

Elterntaxi, ungebremst

Weil sie Angst haben, bringen Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Experten raten davon ab


Langsam ist besser: Gibt es bald mehrTempo 30-Zonen vor Schulen und Kitas? Foto: Dörthe Boxberg

Hierzulande muss, wer sich auf den Schulweg macht, nicht mit Kanus über einen gigantischen See paddeln, nicht in ramponierten Seilbahnen einen Berg hinabfahren und nicht bei minus 50 Grad Celsius durch die Eiswüste stapfen. Schulwege sehen in einer Großstadt wie Köln deutlich unspektakulärer aus. Gefahr geht höchstens von den Autos aus, die sich im morgendlichen Berufsverkehr durch die überfüllten Straßen quetschen und bei Gelegenheit auch rasen. Und um eben die geht es unter anderem in der Mitte Dezember in Kraft getretenen neuen Straßenverkehrsordnung.

 

Sie sieht vor, dass Länder und Kommunen künftig einfacher Tempo-30-Zonen vor Kindergärten und Schulen einrichten können. Einen Nachweis, dass dort besonders häufig Unfälle passieren, müssen die Kommunen nun nicht mehr erbringen. Doch während in anderen Großstädten wie Berlin bereits seit Jahren Tempo-Limits vor Schulen und Kitas eingerichtet wurden, hinkt Köln hinter. »Sobald Anregungen vorliegen, werden wir die Geschwindigkeitsbegrenzung prüfen und gegebenenfalls anordnen«, erklärt die neue Verkehrsdezernentin Andrea Blome (CDU). Bislang stünden jedoch keine Neurege-lungen im Raum, sagt sie.

 

Laut der Kölner Polizei wurden im Jahr 2016 zwei Kinder auf dem Schulweg bei Verkehrsunfällen schwer verletzt, 53 Kinder trugen leichte Verletzungen davon. Auf die Anzahl sämtlicher Unfälle in Köln hochgerechnet ist das zwar nur ein geringer Prozentsatz. Dennoch haben viele Eltern Angst, wenn ihre Kinder selbstständig zu Fuß unterwegs sind — und fahren sie lieber mit dem Auto. Die Folge: lange Autokolonnen vor Schulen und Kitas, inmitten derer Kinder schnell die Übersicht verlieren. 

 

»Leider ist der Trend zum Elterntaxi ungebremst«, erklärt Claudia Neumann vom Deutschen Kinderhilfswerk. Sie fordert, Eltern weiter darin zu bestärken, mit ihren Kindern zu Fuß, mit dem Roller oder dem Rad das Viertel zu erkunden. Denn gerade auf Alltagswegen würden Kinder lernen, Entfernungen besser einzuschätzen und Gefahren zu erkennen. »Und wenn auf das Auto mal doch nicht verzichtet werden kann, dann sollten Eltern nicht direkt bis vor das Schultor fahren.« 

 

 

 


Von: Philippa Schindler
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