StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 1.2016

Kategorie: Politik
Stichwort: Kommentar

Bundesliga zum Bolzplatzpreis

Die Stadt Köln subventioniert den FC und niemanden interessiert’s


Geißbockheim

Foto: wikimedia/willy hirsch

»1. FC Köln zeigt Größe« — so hieß es im August im Kölner Express. Der Bundesligaverein hatte auf die Jugendbeihilfe in Höhe von 180.000 Euro verzichtet, mit der die Stadt die ehrenamtliche Jugendarbeit von Sportvereinen unterstützt. Aber so edel, wie es Boulevard und Presseabteilung des FC unisono verkünden, ist das Motiv dafür nicht. Der FC erhält im Tausch etwas ungleich Wertvolleres. Er muss keine Platzmiete für die Fußballfelder auf seinem zehn Hektar großen Trainingsgelände in Lindenthal zahlen. Im Moment sind dort neun Trainingsplätze sowie das Geißbockheim untergebracht, für letzteres zahlt der Verein eine Grundstücksmiete von 0,13 Cent pro Quadratmeter im Jahr. Das haben Sie nicht gewusst? Ich auch nicht. Erst eine Anfrage der Linkspartei im Sportausschuss hat die Verwaltung dazu gebracht, die Zahlen zu veröffentlichen.

 

Ziemlich wenig Miete für ziemlich viel Rasengrün — es ist aber nur die Spitze der verdeckten Subventionen der Stadt Köln an den 1. Fußball-Club Köln. Die Stadt hat dem Verein die Namensrechte am Stadion in Müngersdorf abgetreten. Die Rheinenergie, die zu 90 Prozent der Stadt gehört, zahlt dem Fußballverein rund drei Millionen Euro für den Namen des Stadions, in dem auch Konzerte und private Feiern stattfinden. Für den FC ist dies ein guter Deal. Er konnte das vergangene Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 5,5 Millionen Euro abschließen.

 

All das spielte keine Rolle, als der Stadtentwicklungsausschuss im Dezember grünes Licht für eine Erweiterung des FC-Trainingsgeländes gab, im Gegenteil. Die Ausschussmitglieder waren bereits glücklich darüber, dass der FC nicht einfach gebaut hat, sondern den Weg durch die Gremien gegangen ist, wie es nunmal den Gesetzen entspricht. So schwächt die Politik ihre Verhandlungsposition ohne Not. Ein beliebiges Kulturprojekt muss selbst für eine bloß vierstellige Fördersumme einen Antrag samt Finanzierungsplan und Projektskizze abgeben. Sobald jedoch genügend Menschen mobilisiert werden, versteht es sich in Köln scheinbar von selbst, dass die Öffentliche Hand Fehlbeträge übernimmt oder wie im Fall des 1. FC Köln privatwirtschaftliche Gewinne erst möglich macht. Warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Liegt es am vermeintlichen Imagegewinn, den der sportlich bestenfalls mittelmäßige FC der Stadt beschert? Tatsächlich wäre eine breite Debatte über das finanzielle Engagement der Stadt Köln wünschenswert, besonders im Hinblick auf einen zukünftigen Stadionausbau. Aber dafür müsste die Stadt erst mal transparent machen, wie sie über ihre zahlreichen Tochterfirmen den FC fördert. Die Chancen dafür sind gering. Immerhin konnte sie die Anfrage der Linkspartei von einer Sitzung auf die nächste beantworten. Bei einer ähnlich gelagerten Anfrage zur finanziellen Unterstützung des Karnevals hat die Antwort zwei Jahre auf sich warten lassen.

 


Christian Werthschulte ist Politik-Redakteur der StadtRevue. Sein erster Stadionbesuch war in Köln. 25 Jahre später findet er Fußball langweilig, kann aber immer noch stundenlang über die Abseitsregel dozieren.

 

 


Von: Christian Werthschulte
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3 Kommentare

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Michel Voss schrieb am 11.04.2016 20:17 answer

Warum muss für Schrebergärten > 50 Cent pro Quadratmeter im Jahr gezahlt werden? Die sorgen für TÄGLICHE Bewegung, lokale Nahrungsmittel-Produktion und damit für Verkehrs-Vermeidung. Und junge, zahlungskräftige Familien wandern nicht in den "Speck-Gürtel" des Erftkreises ab.

Mark schrieb am 05.03.2016 11:10 answer

Ich muß mich da meinen Vorrednern anschliessen. Das was die Stadt an Steuern durch den Verein einnimmt dürfte um einiges höher sein. Und wenn das so bei sämtlichen Firmen der Fall wäre, dann hätte die Stadt sicher weniger Finanzprobleme. Und die Abtretung der Namensrechte geschieht auch nicht ohne Grund bzw. ohne eigenen Vorteil. So etwas nennt man heutzutage auch Werbung. Davon verspricht sich Rheinenergie etwas. Ausserdem bezahlt der Verein auch Miete an die Stadt für das Stadion und auch das nicht zu knapp. Ich wäre auf die kleinlauten Kommentare gespannt, wenn der 1.FC Köln dann mal sagen würde er baut ausserhalb sein eigenes Stadion. Tragen Sie dann einen Teil der Verantwortung, mieten dann das Stadion? Wohl eher nicht. Es ist aber immer leicht nur eine Seite darzustellen. Der Verein und die Stadt gehören zusammen, leben voneinander. Wer das einseitig und damit fehlerhaft darstellt hat vielleicht eigene andere Interessen, aber sicher nicht das Wohl der Stadt mit seinen Bürgern im Sinn.

Otti24 schrieb am 25.01.2016 23:15 answer

Wie hoch sind denn die Steuereinnahmen der Stad Köln durch den FC?

 

Denn nur wenn man diese und die der Firmen die mit dem Fussball rund um das Stadion ect. gutes Geld verdienen gegenrechnet erhällt man ein wirklich ehrliches Bild der Angelegenheit.

 

Ich würde wetten das der Mehrwert für die Stadt sicherlich größer ist als diese zugegeben verdekte Subvention.