StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 8.2017

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Politik

Viel hilft viel

Stadtrevue meint: Ein Drogenkonsumraum am Neumarkt darf nur der Anfang einer umfassenderen Suchthilfe sein


Bitte mehr davon! Drogenkonsumraum am Hbf (Foto: Dörthe Boxberg)

Der Kölner Suchtbericht, den das Gesundheitsamt im vergangenen Jahr vorlegte, sah es kommen: »Szenetreffpunkte an öffentlichen Plätzen« werden »ein Thema bleiben, bei dem immer wieder neu ein Konsens mit allen Beteiligten gefunden werden muss«. Jetzt fehlt es am Konsens. Die Stadt will am Neumarkt einen -Drogenkonsumraum errichten, eine Bürgerinitiative will das verhindern. Die Stimmung ist erhitzt.

 

Schuld daran trägt auch die Stadtspitze. Ausgerechnet eine Verwaltung, die sich einer »Beteiligungskultur« verschrieben hat, lässt Kommunikationskompetenz vermissen. Dass ein Konsumraum Widerstände vor Ort verursachen würde, hätte man wissen müssen. Umso wichtiger wäre es gewesen, frühzeitig zu informieren und Bedenken einzuholen. Doch zwei Infoabende, ein Runder Tisch mit Sozialdezernent Harald Rau und eine Aktuelle Stunde in der Bezirksvertretung Innenstadt mit OB Henriette Reker kamen zu spät: Längst hatte sich Widerstand formiert. Die Anwohner fühlen sich übergangen, ihr Furor ist groß.

 

Der politische Beschluss für den Drogenkonsumraum ist in der Sache unstrittig. Solche Angebote sind ein erprobtes Mittel, um Suchtkranken zu helfen und den Konsum aus dem öffentlichen Raum zu verlagern. Am Neumarkt ist die Situation besonders elend. Deshalb braucht es genau dort einen Konsumraum. 

 

Mit einer punktuellen Hilfe am Neumarkt aber wird Köln sein Drogenproblem nicht lösen. Bisher gibt es nur einen Drogenkonsumraum, betrieben vom Sozialdienst Katholischer Männer am Hauptbahnhof. Dessen Öffnungszeiten wurden jüngst zwar per Ratsbeschluss verlängert. Für eine Millionenstadt ist das aber viel zu wenig. Weitere Angebote müssen folgen, sonst ist die Sorge der Anwohner, dass sich die Szene am Neumarkt verdichtet, berechtigt.

 

Die Stadt muss davon abrücken, das Angebot am Neumarkt zunächst zu evaluieren, bevor sie weitere Drogenkonsumräume plant. Das kostet Zeit, die man nicht hat. Allein am Neumarkt werden mindestens anderthalb Jahre zwischen dem politischen Beschluss und der voraussichtlichen Eröffnung des Konsumraums am 1. Januar 2018 liegen. Ob Kölnberg, Wiener Platz oder Ebertplatz — je früher weitere Standorte geprüft werden, desto besser. Sinnvoll wären zusätzlich auch mobile. Denn: »Eine moderne und vorausschauende Sucht- und Drogenpolitik ist ständig in Bewegung. Nur so können Betroffene die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.« Auch das ist der Stadt bekannt. Sie hat es jedenfalls in ihren Suchtbericht geschrieben.

 

 

 

 


Von: Jan Lüke
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