StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 11.2018

Kategorie: Literatur
Stichwort: Literatur, VHS-Forum, Geheimnisse der Natur, Mensch und Natur, Naturschutz, Lesung, Stadtrevue präsentiert

Der Plotverästeler

In seinem neuen Roman steigt US-Autor Richard Powers auf die Bäume.


Lebt mit Bäumen: Richard Powers, Foto: Dean D. Dixon

»Alte Bäume sind unsere Eltern, und die Eltern unserer Eltern vielleicht. Wer die Geheimnisse der Natur ergründen will, muss lernen, menschlicher zu werden«, heißt es zu Beginn von Richard Powers neuem Roman »Die Wurzeln des Lebens«. Aufgeladene Bilder bemüht der 1957 geborene US--amerikanische Autor, um davon zu erzählen, wie sehr alles mit allem »verwurzelt« ist: die Menschen untereinander und mit der Natur und den Bäumen, genauer, den Mammutbäumen. Diese sind in der Erzählwelt von Powers ebenso bedroht wie in der realen Welt. »Die Wurzeln des Lebens« lässt eine Gruppe von Umweltschützern aufeinandertreffen, um die ältesten Mammutbäume der Erde vor der Abholzung zu schützen. Den Vietnam-Veteranen und Öko-Aktivisten Douggie, den Psychologen Adam und die Biologin Patricia vereint das Bewusstsein, die Welt für die nächste Generation bewahren zu wollen. Ökologie und Klimaschutz stehen im Mittelpunkt des neuen Romans des studierten Physikers und »schlauesten Schriftstellers der Welt« (Die Welt). Nicht umsonst lebt er in der Kleinstadt Urbana-Champaign, die eine mit 10 Millionen Büchern ausgestattete Bibliothek beherbergt, die drittgrößte der USA.

 

Powers widmet sich seinen literarischen Themen mit wissenschaftlicher Sorgfalt. In »Echo der Erinnerung« rekonstruierte er das Capgras-Syndrom, bei dem die Verbindung zwischen dem Teil des Gehirns, der analytisch denken kann, und dem Teil, der Gefühle verarbeitet, gekappt ist und philosophierte über die Frage, wie der menschliche Geist seine Umwelt konstruiert oder ob es einen freien Willen gibt. In »Schattenflucht« interessierten ihn virtuelle Realitäten, die er mithilfe eines verästelten Plots über amerikanische Geiseln im Libanon und einer kleinen Gruppe Programmierer erzählt. In »Die Wurzeln des Lebens« sind es nun die Folgen der rücksichtslosen Ausbeutung der Natur, die er auf wissenschaftlicher wie auch auf zwischenmenschlicher Ebene untersucht. Welche Motivation haben Menschen, die ihren Alltag hinter sich lassen, um sich schützend vor Mammutbäume zu stellen? Und was treibt diejenigen um, die zur Maximierung ihrer Profite Jahrhunderte alte Bäume zerstören wollen?

 

Do 8.11., VHS-Forum, 19.30 Uhr Richard Powers: »Die Wurzeln des Lebens«, S. Fischer, 624 Seiten, 26 Euro   
Von: Jonas Engelmann
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