StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 12.2018

Kategorie: Titel
Stichwort: EM und Olympia

Sport statt Köln – Teil 2


Fotos: Marcel Wurm

Auf Grund gelaufen: Schwimmsport in Köln

 

Eigentlich hat Köln für Wasserbegeisterte viel zu bieten. Allein die städtische Kölnbäder GmbH betreibt 13 Schwimmbäder. Der Eintritt kostet im Schnitt fünf Euro, mit Vorteilskarte zehn bis 20 Prozent weniger. Für eine einmalige Angelegenheit sind die Kosten erschwinglich, wer jedoch regelmäßig schwimmen möchte, kommt schnell auf 50 Euro und mehr im Monat. Eine sicherere Einnahmequelle der Kölnbäder sind die Vereine, die hier trainieren. Pro Stunde Training zahlen sie einen Betrag an die Kölnbäder, also indirekt auch an die Stadt. Um mehr über die Situation der Schwimmvereine zu erfahren, treffe ich Klaus Lehmann und Rainhold Kapteina von der Schwimmabteilung des ESV Olympia. Reinhold Kapteina, Übungsleiter im Verein, erzählt, dass Köln im Vergleich zu anderen Städten schwimmbadtechnisch gut aufgestellt sei. Die Bäder seien in Schuss, modern und gut ausgestattet. Schwimmwettbewerbe im größeren Stil wie zum Beispiel die Bezirksmeisterschaften könnten jedoch trotzdem nicht hier stattfinden, da es keine Möglichkeiten gebe, die Zuschauer unterzubringen. Insofern teilen Schwimm- und Volleyballsport ein Problem: In beiden Disziplinen gibt es keine wettkampftauglichen Sportstätten in Köln. Außerdem — wer hätte das gedacht — hatte auch die Schwimmabteilung des ESV mit städtischen Baumaßnahmen zu kämpfen. Bis 2012 trainierte er im Nippesbad an der Friedrich-Karl-Straße. Dann wurde das Hallenbad geschlossen und abgerissen — um Kosten zu sparen. »Von heute auf morgen«, so Klaus Lehmann. Auch Demonstrationen dagegen halfen nichts. Lehmann nennt es »eine Ohrfeige für die Anwohner, die das Bad regelmäßig nutzten«. Der Verein musste in den Lentpark im Agnesviertel umziehen, doch dort steht ihnen nur eine viel kleinere Schwimmfläche zur Verfügung. Der ESV verlor viele Mitglieder. Blöd auch, dass dort, wo früher das Nippesbad stand, heute nur eine Brache ist. Eigentlich sollte hier eine Grundschule entstehen, doch fiel bei der Bauplanung niemandem auf, dass der Boden ein Gefälle aufweist. Fünf Jahre Planung waren für die Katz. »Das größte Ärgernis für mich ist allerdings die Sachbearbeitung der Kölnpässe«, berichtet Klaus Lehmann. Wer im Besitz eines Kölnpasses ist, bekommt von der Stadt zehn Euro Zuschuss zum Mitgliedsbeitrag. Den Kölnpass zu beantragen, sei aber so kompliziert, dass die Bearbeitung oft am Verein hängen bleibe.

 

Text: Meret Meier

 

 

 

Viktoria Köln: Alles im grünen Bereich

 

In der Merheimer Heide gibt es keine Schnucken, aber einen Amateur-Fußballverein mit lebhafter Geschichte, schmuckem Stadion und großen Ambitionen. FC Viktoria Köln 1904 gehört zu den Traditionsvereinen der Stadt, auch wenn er zahlreiche Wandlungen durchgemacht hat — zuletzt im Jahr 2010. Das Engagement des Mäzens Franz-Josef Wernze sowie seiner Steuerberatungsfirma ETL eröffnete seit damals finanzielle Möglichkeiten. Viktorias Heimat blieb aber der Sportpark Höhenberg, dessen malerische Lage in der Merheimer Heide Ambitionen auf Höheres im Wege steht. Aber Viktorias Slogan »Mein Verein, rechts vom Rhein« deutet den Standortnachteil »Schäl Sick« identitätsstiftend um. Als Spitzenreiter der Regionalliga West muss man sich hinter den Profiteams der eine Etage höher kickenden Fortuna und des zweitklassigen FC nicht verstecken. Der Sportpark Höhenberg inklusive Stadion, umliegenden Kunstrasenplätzen und renoviertem Gebäudetrakt hinterlässt schon einen recht professionellen Eindruck. Die bescheidene Kabine des Ex-Nationalspielers und jetzigen A-Jugend-Trainers Jürgen Kohler, in der das Gespräch mit Geschäftsführer Axel Freisewinkel stattfindet, versprüht dagegen noch  Amateurfußballcharme.

 

Dem Wachstum des ehrgeizigen Viertligisten  sind natürliche Grenzen gesetzt. Bei einem Aufstieg würde die Kapazität des Stadions den Richtlinien des DFB nicht entsprechen. Andererseits ließen amtliche Vorgaben zur Wahrung des Naturschutzidylls der Heide keine Expansion zu, sagt Freisewinkel. Dies würde einen Umzug ins Südstadion bedeuten. Positives weiß er aber über die Aufbauarbeit und die Philosophie des »neuen« FC Viktoria zu berichten. 300 Aktive gibt es im Klub. Die Nachwuchsjahrgänge setzen sich aus Kids des Einzugsgebiets im Kölner Osten zusammensetzten. Erst in den höheren Altersklassen werden Spieler gezielt von der Konkurrenz abgeworben. Der Einspartenverein, in dem sich alles um den Fußball dreht, ist bislang noch ein One-Gender-Club, also reine Männersache. Einer der Gründe sei die direkte Nachbarschaft des TuS Köln rrh. 1874, so Freisewinkel. Man habe befürchtet, dessen Frauenteams zu gefährden. Aber ein Sinneswandel ist nicht ausgeschlossen. Die Zusammenarbeit des FC Viktoria mit der Stadt Köln — etwa bei der Aufrüstung der Ascheplätze zu Kunstrasenfeldern — läuft aus Freisewinkels Sicht einwandfrei. Womöglich verhilft ein potenter Geldgeber wie ETL schlichtweg zu innerer Gelassenheit.

 

Text: Wolfgang Frömberg

 

 

 

Kölns bestes Volleyballteam: Gefangen in der zweiten Liga

 

Ankündigungen über die Dauer geplanter Baumaßnahmen lassen viele Kölner mit den Augen rollen. Das kann jeder verstehen, der in städtischen Hallen Breitensport betreibt. Die Folgen: Training in Ausweichhallen, weil es Probleme mit Heizungen, sanitären Anlagen oder ausstehenden Sanierungen gibt. Und hinzu kommt, dass die Mühlen der Bürokratie langsam mahlen. Aber nicht alle haben -solche Probleme: Snowtrex Köln, das Volleyballerinnen-Team an der Deutschen Sporthochschule (DSHS), trainiert auf dem Gelände der »SpoHo« unter guten Bedingungen. Doch sie leiden anders:  »Wir waren in der 2. Bundesliga zweimal Meister und haben uns damit für die erste Liga qualifiziert«, sagt Trainer Jimmy Czimek. Nur aufsteigen können sie nicht: Denn beim Spielbetrieb in der ersten Liga muss die Halle mindestens neun Meter hoch sein — und dafür fehlen der Halle auf dem SpoHo-Campus ganze 64 Zentimeter. Hinzu kommt, dass die Sporthalle keine Möglichkeit bietet, genug Zuschauer unterzubringen . Für jedes Heimspiel eine sogenannte Sonderbestuhlung aufzubauen, würde zu viel Aufwand bedeuten. Die Volleyballerinnen können sich also anstrengen, wie sie wollen: Sie bleiben in Liga zwei gefangen. Czimek hegt dennoch Hoffnung. Es habe eine Petition gegeben und der Verein stehe mit der Stadt im Dialog, sagt er. Das ändert freilich nichts daran, dass es in Köln keine einzige Halle gibt, die den Anforderungen entspricht: Sie sind entweder zu klein oder zu groß.Volleyball in der Lanxess-Arena? Das würde auch nicht funktionieren. Allerdings wird gerade über den Umbau des Radstadions in Müngersdorf diskutiert. Es gibt Pläne, hier eine 8000 Zuschauer fassende Multifunktionshalle zu errichten. Bis sie nutzbar wäre, würden Jahre vergehen. Die Stadt hat es offenbar nicht allzu eilig, dass Kölner Frauen-Volleyball auch offiziell erstklassig wird. Alleine sind die Volleyball-Spielerinnen mit diesem Problem jedoch nicht: »Den Rollstuhlbasketballern geht es ähnlich«, sagt Jimmy Czimek über den KBC Cologne 99ers. 

 

Text: Meret Meier

 

 

 

»Asoziale, die über Opas springen«

 

Ich fahre Skateboard, seit ich zehn bin. Als ich das erste Mal auf der Domplatte gefahren bin, muss ich 13 gewesen sein. Wir Skater waren damals vielen ein Dorn im Auge — dem Domhotel, dem Früh-Brauhaus, der Dombaumeisterin. Es gab Gesprächsversuche, aber richtig ernst nahm man uns nicht. Angeblich hätten die Touristen Angst vor uns. Wir galten als tätowierte Asoziale, die über Opas drüberspringen. Irgendwann wurde kurzer Prozess gemacht: Der damalige Oberbürgermeister Fritz Schramma ließ aus den Mäuerchen am Rand der Domplatte Stücke herausschneiden. Da konntest du mit keinem Skateboard mehr drüber rutschen, die Domplatte war unskatebar geworden. Wir haben dann den Verein Dom Skateboarding gegründet — als Sprachrohr für die Szene. 

 

Petra Heinemann vom Amt für Kinder- und Jugendinteressen war die erste, die uns nicht von oben herab behandelt hat. Über sie kamen wir mit der Stadt ins Gespräch. Erstmals haben wir darüber gesprochen, welche Orte für eine Skate-Anlage infrage kämen. Weil wir keinen Skatepark von der Stange haben wollten, haben wir mit einem befreundeten Architekten selbst einen entworfen. Das Kap686 am Rheinauhafen, das 2011 eröffnet wurde, ist komplett unsere Idee. Im Jahr 2013 haben wir einen Preis des Internationalen Olympischen Komitees für Sportanlagen im öffentlichen Raum gewonnen. Da stand das Kap neben Projekten wie dem Olympiastadion in London und dem Wassersportstadion in Shenzen. Das fand die Stadt Köln dann natürlich nicht schlecht. 

 

Man braucht keine besonderen Fähigkeiten, um auf der Anlage zu skaten. Über den Tag verteilt skaten am Kap bei gutem Wetter vielleicht 100 bis 130 Menschen. Ich bin jetzt 39 und im Sommer fünfmal die Woche an der Anlage, im Winter vielleicht zweimal. Ich bin auch Spielplatzpate für das Projekt. Wenn es größere Defekte gibt, melden wir das der Stadt. Wenn wir Spenden bekommen, bringen wir unsere Anlage am Lentpark in Schuss. Sie ist unser zweites Projekt und eine komplette Do-it-yourself-Anlage. 

 

Eigentlich gehört Skaten ja auf die Straße. Aber in Köln gibt es dafür kaum öffentliche Plätze. Wenn zum Beispiel in Kopenhagen eine Freifläche oder ein Spielplatz geplant wird, werden Elemente zum Skaten mitgedacht. Ich hoffe, dass Kommunen auch hier künftig stärker ähnliche Projekte mit uns gestalten. 

 

Protokoll: Jan Lüke

 

Patrick Bös ist Vorsitzender von Dom Skateboarding e.V.

 

 

 

 


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