StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 4.2019

Kategorie: Musik
Stichwort: Bilderbuch

Ha- ha- ha- ha- ha- halt mich fest

Bilderbuch singen gegen die Tristesse


Das Drama kommt unbeschwert daher: Bilderbuch

Reden wir über die Band Bilderbuch und vergessen wir kurz, dass die Musikindustrie wie eine runtergewirtschaftete Branche ohne jegliche Zukunftschancen wirkt. Diese Tristesse hat in der Realität von Bilderbuch nämlich absolut nichts zu suchen. Denn entgegen aller Wahrscheinlichkeiten der normalerweise an Metropolen und internationalen Narrativen ausgerichteten Popmusik erlebt die 2005 im Oberösterreichischen Kremsmünster von vier Teenagerfreunden gegründete Band — wovon Sänger Maurice Ernst und Bassist Peter Horadovsky bis heute durchgehalten haben — seit 2013 einen endlosen Sommer.

 

 

Los ging alles mit »Maschin«, diesem lässigen Übersong, für den man gerne seine Seele in Zahlung gibt, so cool sprechsingt Maurice Ernst seine Worte in diesem an Charme nicht zu übertreffenden Österreichisch. Und schon war man bereit, seinen verführerischen Worten zu folgen und von seinem gelben Lamborghini, der im Video so verführerisch glitzert zu träumen: »Steig jetzt in mein Auto/ steig jetzt in mein Auto ein/ Sieben Türen, 70 PS, vorne geht der Wind zu sehr«. 

 

 

Seitdem haben Bilderbuch konsequent und mutig mit vier Alben nachgelegt: »Schick Schock« (2015), »Magic Life« (2017) und zuletzt back to back »mea culpa« zum Jahresende 2018 und im Frühjahr 2019 »Vernissage my Heart«. Mutig, da Bilderbuch sich eben nicht nur an ihrem hybriden Hit-Sound festkrallen und diese Melange aus HipHop, Indie-rock, Trap und Popmusik reproduzieren, sondern auch komische und kuriose Songs zulassen. Songs, in denen sie laut »Experiment« sagen, so laut, dass sie auch mal richtig schiefgehen. Aber das müssen sie auch, denn abseits der Coolness und Selbstsicherheit und all der Autos, die im Bilder-buch-Universum cruisen, haben wir es mit einer Band voller Zweifel zu tun, deren Protagonisten mit der Welt hadern, wie man eben mit der Welt hadern muss, wenn man nicht völlig abgestumpft ist. 

 

 

»Manchmal, da fühl’ ich, diese Welt sie braucht mich / Die meiste Zeit da fühl’ ich überhaupt nichts / Doch manchmal fühl’ ich, diese Welt sie braucht mich«, singt Maurice so treffend im aktuellen Song »Ich Hab Gefühle«, den sie bestimmt auch in Köln zelebrieren werden.

 

 

StadtRevue präsentiert

 

Sa 13.4., Palladium, 20 Uhr 
Von: Thomas Venker
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