StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 8.2019

Kategorie: Thema
Stichwort: Stadtrevue Sommer-Spezial

Ausflüge ins Rheinland

Das Großstadtgefühl: Man fährt aus Köln raus und landet in der

nächsten Stadt, und nach der nächsten kommt die übernächste

und dann kommen ein Dutzend weitere. Willkommen in der

Rhein-Ruhr-City! Auf den folgenden Seiten stellen wir Euch ein

Kontrastprogramm vor. Man kann Köln auch in Richtung Natur

verlassen. Schöne, entspannte Wanderrouten, liebevoll gepflegte Naherholungsgebiete, charmante Ausflugsziele: alle vor den Toren der Stadt. Und alle sind sie bequem mit Bus und Bahn zu erreichen. Unter dem Pflaster liegt immer noch der Strand


Zwischen Baumwipfeln und Pommesbuden | Foto: © D. Ketz/Panarbora

Auf dem Papier ist es ein Katzensprung: Aus dem Haus, die Straße runter, in die S-Bahn, nach einer Stunde aussteigen, rein in den Bus — der einzige, der in dieser Gegend fährt, kann man nix falsch machen. Nach noch mal 15 Minuten ist man in einer für Kölner Augen völlig ungewohnten Gegend: Wald, Natur, Berge, unglaublich. Preisgünstig ist es auch, man wählt die VRS-Kategorie 5 — 11,90 Euro.

 


Wir wollten nach Panarbora, einem »Naturerlebnis-Projekt« im Oberbergischen, unweit von Waldbröl, und haben es auch unbeschadet geschafft. Das vom Landschaftsverband Rheinland unterhaltene Gelände ist wirklich liebevoll gestaltet, mit einem schmucken Aussichtsturm (34 Meter hoch), einem 1635 Meter langen Baumwipfelpfad (bis zu 23 Meter hoch), einer großen Spielplatzlandschaft, einem Waldweg, den man am besten barfuß laufen soll. Außerdem mit einem Informationszentrum samt Besucherkantine, Kräutergarten und einer großen Jugendherberge. Gefeiert wird: der Wald. Alle seine Aspekte werden auf zahlreichen Tafeln und Lerninseln dargestellt und erörtert. Klingt arg didaktisch, fällt aber den Kids gar nicht auf, weil die Umgebung so spektakulär ist. Die Spiel- und Lernangebote richten sich an Kinder zwischen vier und zehn, für die älteren zählt vor allem die spektakuläre Aussicht vom Turm.

 


Auf dem Panabora-Gelände ist nichts kompliziert, es ist komplett barrierefrei, auch der Turm, und natürlich sind alle ­Anlagen aus Holz und werden nachhaltig bewirtschaftet. Das wirkt alles sehr solide und überhaupt nicht rustikal, weil es liebevoll gearbeitet ist.

 


Wenn man vom Turm in die Landschaft blickt, ist man erstaunt: Man fühlt sich sehr weit weg. Sanftgeschwungene Hügellandschaft mit viel Wald, dazwischen gestreut sind Dörfer, die pittoresk sind und nicht den Charakter einer Durchfahrtsstraßenortschaft haben. Und das soll wirklich noch Kölner Umland sein? Erstaunlich. Auf dem Gelände hört man unter den Besucherinnen und Besuchern rheinischen Singsang — und breites Hessisch. Gießen ist keine neunzig  Kilometer entfernt, Frankfurt etwas mehr als hundert. Aber so weit weg von Köln ist Panarbora tatsächlich nicht, es sind vom Verlagssitz der Stadtrevue im Belgischen Viertel (Mittelpunkt der Welt, na klar) gerade mal 56 Kilometer mit dem Auto.

 


Und das ist in gewisser Hinsicht ein Problem: Rund um Panarbora sind riesige Parkplatz-Anlagen, das Naturerlebnis erfährt man sich. Denn so einfach, wie es auf dem Papier aussieht, ist die Anreise mit dem ÖPNV dann doch nicht. Man kann zwar von Ehrenfeld (zweiter Mittelpunkt der Welt) mit dem RE9 oder der S12 bis nach Schladern an der Sieg durchfahren — die Bahnstrecke ist malerisch, wer mag, kann die Bahnfahrt wanderlustig mit einem Ausflug auf dem Sieg­steig, der von Haltestelle zu Haltestelle führt, kombinieren. Aber die Bahn muss erstmal kommen,  am besten auch noch pünktlich.

 


Sie kam nicht. Der RE9, in den wir einsteigen wollten, hatte — ohne Angabe von Gründen, ohne Durchsage — eine Verspätung von einer halben Stunde. Niemand murrte, es scheint nichts Ungewöhnliches zu sein. Wir verpassten den Anschluss in Schladern und hatten, weil der Bus dort in der ausgedehnten Mittagszeit nur alle 90 Minuten fährt, viel Zeit für das Dörfchen. Beiseite gesprochen: Wer hier eine Pommes essen will, kann einiges falsch machen und seine Magenwand titanisch strapazieren. Empfehlenswert ist Elmores Biergarten am Siegwasserfall — fünf Minuten vom Bahnhof gelegen und ausgeschildert.

 


Mit dem Schladerner Bus, Linie 342, geht es ein Stück an der Sieg entlang und dann immer nur hoch. Das Fahrzeug schwingt sich regelrecht aus dem Tal ins Oberbergische hinein, eine schöne Strecke. Man hat zudem den Bus fast für sich.

 


Als wir zurückfahren, sind wir die einzigen im Bus, man fühlt sich hier noch als Pionier der Verkehrswende.Das Panarbora-Gelände liegt auf einer Hügelkuppe, der Eingang ist gegenüber der Bushaltestelle, alles ganz modern, mit Tickets, die man in Schlitze stecken muss, damit sich das Drehkreuz bewegt. Offensichtlich wird es hier auch schon mal voller, an unserem Sonntag war aber alles entspannt.

 


Der Aussichtsturm ist übrigens wirklich spektakulär, man kriegt die üblichen Spaßangaben serviert — 15.500 Kilometer bis zum Südpol —, und dann sieht man ihn tatsächlich am Horizont, den dritten Mittelpunkt der Welt. Nein, nicht den Dom. Den Kölner Fernsehturm.

 

 

 

 

Natursteig Sieg
Kein schöner Land in dieser Zeit, als hier das unsre weit und breit — zugegeben der Text ist etwas antik und verstaubt, und dennoch, sobald man den Natursteig Sieg betritt, liegt es einem auf der Zunge. Man kann ihn nicht unterdrücken, den Drang zum Singen. Schön. Denn schön ist wohl das Wort, welches die mittlerweile 14 Etappen des Sieg Steigs am besten beschreibt. Schön extrem, schön lang, je nachdem welche Etappen man läuft oder miteinander ver­binden möchte — und ganz schön abwechslungsreich. An Abenteuer lässt der Sieg Steig an nichts vermissen, so sind auf Etappe 6 ab Leuscheid viele der Wegmarkierungen dem Vandalismus zum Opfer gefallen, und man ist vereinzelt auf sich, seinen Orientierungssinn und die eigene Entscheidungskraft gestellt. Schwierig ist die Wanderung aber deswegen nicht. Auf den verschiedenen Etappen befindet man sich die meiste Zeit auf kleinen Pfaden, die auch an steilen Hängen vorbeiführen und die ein oder andere Steigung haben. Etwas Trittsicherheit wäre somit nicht schlecht. Im Sommer lässt sich entlang der Sieg an den verschiedenen, zum Teil abgelegenen Buchten verweilen. Geschwom­­men werden kann in der Sieg auch —wirklich gut bietet sich das aber nur an den tiefen Stellen an.
(Marilena Piesker)


Regionalzug/S-Bahn. Haltestelle Herchen. Dauer < 1,5h

 




Aggertalsperre Gummersbach

Dank ihrer einzigartigen Lage eignet sich die Aggertalsperre im Oberbergischen wunderbar für ein nächtliches Bad. Wer sich auf den nassen Spaß einlässt, darf natürlich die geltenden Sicherheitsbedenken nicht außer Acht lassen. Des Weiteren ist es empfehlenswert, Wertgegenstände vorher aus den Taschen zu nehmen, bevor sie in den tiefen Gewässern der Aggertalsperre verschwinden und man sie nie wiedersieht. Natürlich nicht nur nachts, sondern auch tagsüber kann man sich den glasklaren Gewässern hingeben. Hierzu bieten sich drei offizielle und öffentliche Liegewiesen an. Alle, die lieber ihren privaten Wasserzugang haben, können das Auto auch an der Staumauer parken und sich zu Fuß auf die Suche nach abgelegenen Buchten machen; um die Talsperre herum führen einige idyllische Wanderwege. Die Umgebung ist derart schön, dass sie des Öfteren für Filmaufnahmen und Werbespots genutzt wird. Wer mit dem Boot unterwegs ist, gelangt immer wieder zu kleinen, abgelegenen Badestränden, die selbst zu Fuß nicht erreichbar sind. Und gerade für Taucher ist die Aggertalsperre ein spannendes Gewässer. Unter der Wasseroberfläche findet sich ein vollerhaltener Viadukt, der sich durchtauchen lässt, die Staumauer, eine Brecheranlage und Felswände und wahrscheinlich noch der ein oder andere 100-Euro-Schein. Finder dürfen sich gerne bei der Stadtrevue melden. (Marilena Piesker)

Regionalzug/S-Bahn. Haltestelle Bredenbruch Genkeltalsperre, Gummersbach. Dauer ~ 2h

 

 


Arp Museum Rolandseck
Ein Ort gleich vor den Toren Bonns, »am grünen Ufer des Rheines«, wie Guillaume Apollinaire einst über diesen Ort dichtete. Das im Jahre 1985 eröffnete Eisenbahnempfangsgebäude in Rolandseck war seit jeher ein Ort des Übergangs. Die Züge der Cöln-Bonner Eisenbahngesellschaft, die jeden Sonntag hier endeten, läuteten mit viel Dampf den Beginn der langersehnten Sonntagsausflüge ein. Von hier aus wechselte man in die Kutsche oder aufs Dampfschiff, ließ den Alltag hinter sich und genoss das umliegende Naturschauspiel. Um eben jenes auch im Inneren erleben zu können, ist das Empfangs- und heutzutage Ausstellungsgebäude zum Landschaftspanorama hin durchlässig. Mit dem Bahnhof durch einen unterirdischen Tunnel verbunden und mit einem in die Höhen des Berges schnellende Aufzugsschacht ausgestattet, unterstreicht die Architektur die vielschichtigen Werke des Künstlerpaares Sophia Taeuber-Arp, die auf der Flucht vor den Nationalsozialisten ums Leben kam, und Hans Arp. Wahrscheinlich kommen an keinem anderen Ort Hans Arps Traumanatomie und Sophia Taeuber-Arps avantgardistische Wandgestaltungen so gut zur Geltung: vor dem Hintergrund dieser beeindruckenden Kulisse der spektakulären Weiten des Siebengebirges, die Alexander von Humboldt einst in seine Liste der sieben schönsten Ansichten der Welt genommen hat. (Marilena Piesker)

Regionalzug/S-Bahn. Haltestelle Bahnhof Rolandseck. Dauer < 1h

 

 


Weingut Gies-Düppel

Ein schmuckes Einfamilienhaus mit Satteldach aus gelben Klinkersteinen, nette Gastgeber und ein ausladender Blick auf die waldigen Anhöhen. Familiär und sympathisch einladend kommt die Umgebung bei Ankunft rüber, innerlich steigt schon die Vorfreude auf den ersten Wein. Aber vor dem Wein kommt hier der Stein. Denn bevor es zur Weinprobe geht, fallen die massiven Gesteinsprofile an den Wänden ins Auge, die Gesteinsproben in den Regalen wollen auch ausgiebig beachtet werden. Dann geht es aber endlich über zum ersten Wein, der nicht mit Üppigkeit, sondern einer ihm ganz eigenen Feinheit überzeugt. Dabei war der Weg von der Traube zum Wein ein steiniger, zumindest für die Weinreben. Denn ein wenig müssen sie schon kämpfen, damit sie durch den steinigen Boden des Weinbaugebietes an das Grundwasser kommen; das fördert die Mineralität in den Trauben und damit auch im Wein. Die Weine von Gies-Düppel ergänzen nahtlos den Charakter der Umgebung und sind nach den ländlichen Gegebenheiten wie den verschiedenen Gesteinssorten benannt. Wer nicht ganz so weit fahren möchte, um einen der feinen Weine zu trinken, hier ein Geheimtipp: Es gibt sie auch in Köln. (Marilena Piesker)

Regionalzug/S-Bahn Haltestelle Siebeldingen-Birkweiler. Dauer ~ 3,5 h

 


Abenteuer-Wald Bad Neuenahr
Den Wald einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennen lernen — und zwar von ganz oben. Höhenangst ist hier fehl am Platz. Mitten im Wald gelegen, fügt sich der Park in die Landschaft des Ahrtals ein. Im Stil von Reinhold Messner kann sich auf über 80 Kletterelementen in die Höhen hinaufgewagt werden. Spätestens auf der Seilrutsche, mit 450 Metern eine der längsten Deutschlands, kann man in 30 Meter Höhe einen ausgiebigen Blick über das Ahrtal schweifen lassen. Ob Todesschleuder, Banana Jump und Xtreme Parcours, der Kletterpark ermöglicht einiges an Aktivitäten, von fancy bis extravagant. Für die Couchpotatoes unter uns bietet sich die Paradieswiese an. Die einzige Herausforderung, der man sich hier noch stellen muss, ist das Baguettebrötchen zum Mund zu heben und mit kühlem Bier nachzuspülen. Das geht dann auch ganz ohne Sicherung. (Marilena Piesker)

Regionalzug/S-Bahn Haltestelle Bahnhof Bad Neuenahr. Buslinie 850 Haltestelle Dr.-Niessen-Straße. Dauer ~ 1,5h





Bubenheimer Spieleland
Im Dürener Hinterland spielen sich spektakuläre Sachen ab, eine wuchtige Wasserrutsche zum Beispiel, von der man gar nicht mehr lassen will (haben wir drei Stunden am Stück ausgekostet!), Schaukeln, die über Schluchten rauschen, krasses Mattenrutschen, Trampoline in allen Variationen, und noch mehr: eine Go-Kart-Bahn, ein Maislabyrinth, Wasserspielplätze … aber vor allem: viel, viel Platz, indoor wie outdoor. Das alles sind beste Voraussetzungen für einen entspannten Familienausflug, zumal man sein Essen selber mitbringen darf. Das Bubenheimer Spieleland vereint die Action-Lust der Kids mit den pädagogischen Ansprüchen der Eltern: Denn hier wird oldschool gespielt, niemand vermisst digitales Hightech, im Prinzip ist das ein riesiger Abenteuerspielplatz, tiptop gewartet natürlich. (Felix Klopotek)

Mit der Regionalbahn zum Bahnhof Düren. Von dort die Buslinie 298 (Richtung Rommlsheim, Nörvenich) nehmen. Dauer ~ 1h

 

 




LVR Römertherme Zülpich
Spectaculum im Vicus Tolbiacum. So nannte sich die einstige Römerhochburg Zülpich vor ca. 1500 Jahren. Ein Eintauchen in die Vergangenheit, genau das lässt sich in der ehemaligen Römertherme. Und zwar genau ins 2. Jahrhundert n. Chr. Dieser Zeit entstammt die Hauptattraktion, ein Bodendenkmal, die Überreste einer römischen Termalanlage, die in das Museum neben anderer Architekturreste integriert ist. Zweihundert Jahre lang wurde dieser Ort von den Römern als Badeanstalt genutzt, bevor sie dann aufgegeben und erst wieder im Mittelalter in Betrieb genommen wurde. So lässt sich neben der römischen Badekultur auch die Körperhygiene des Mittelalters erleben. Im Zuge der industriellen Revolution kam ein Bewusstsein für sauberes Wasser zum Baden auf, welches zu zahlreichen Erfindungen führte. Die in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckten Überreste, erweisen sich als die besterhaltenen ihrer Art nördlich der Alpen. Die Ausstellung lädt daneben zu einer Reise durch die Geschichte des Badens ein, und schlägt den Bogen von der Antike zur Gegenwart. In diesem Jahr gibt es von März bis August zudem die Sonderausstellung »Barbie. Life in Plastic.« zu erleben. (Marilena Piesker)

Regionalzug / S-Bahn. Haltestelle Frankengraben Zülpich. Dauer ~ 1h

 

 


Skulpturenpark Waldfrieden Wuppertal
Eine leichte Brise lässt die Kronen der Bäume durch die Luft wiegen, die Sonne scheint auf die Lichtung. Blätter glänzen im Licht. In ihrer Mitte schrauben sich drei Skulpturen in einer Art kreisenden Bewegung nach oben, als tanzten sie mit dem Wind; als wären sie ein natürlicher Teil des Settings. Eine Symbiose mit der Natur. Fünfeinhalb Meter hoch sind sie und schrauben sich gekonnt um die eigene Achse — die drei »«Points of View«-Skulpturen des Bildhauers Tony Cragg. Sie gelten als Wahrzeichen des Parks,  mit ihnen lässt sich die weite Aussicht über das Tal der Wupper genießen. Der britische Steinhauer verwandelte den Ort namens Waldfrieden 2008 in einen Zauberwald, der Kunst und Natur miteinander verbinden soll. Das ursprünglich im Zweiten Weltkrieg erbaute Anwesen des Lackfabrikants Kurt Herbert, welches keinen einzigen rechten Winkel besitzt, fügt sich wie gewollt in die Natur und damit in die künstlerische Umwelt. Zu den besonderen Baumarten des Waldes zählt der Lebkuchenbaum, dessen Blätter im Herbst tatsächlich nach Lebkuchen riechen. Ähnlich besonders sind auch die anderen Werke von Tony Cragg, die geisterhaft neben Kastanien und unter Birken auftauchen. Es ist ein Zusammenspiel und der Kampf zwischen Natur und Kunst, ein Rotieren der Skulpturen im Wind. (Marilena Piesker)

Regionalzug / S-Bahn Haltestelle Wuppertal Hauptbahnhof. Buslinie 628 Haltestelle Bendahler Straße. Dauer < 1.5h

 

 

 

 


Von: Felix Klopotek
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