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Ausgabe: 8.2019

Kategorie: Film
Stichwort: »See the Sound«

Selten leise, häufig laut

Das Filmfestival »See the Sound «zeigt aktuelle Musik-Dokumentarfilme


Der Ende August beginnende Sound­track Cologne ist der größte Kongress für Musik und Ton in Film, Fernsehen, Games und Medien in Deutschland. Da solche Branchentreffen in der Regel recht trocken daherkommen, wurde vor einigen Jahren ein Filmprogramm für das breitere Publikum etabliert, das sich vor allem auf Dokumentarfil­me »mit und über Musik« spezialisiert hat. Das Festival See the Sound bot mit Filmen wie »The Amazing Nina Simone«, »Raving Iran« oder »Shut Up And Play The Piano« — dem Film über den in Köln ansässigen Pianisten Chilly Gonzales — einigen der besten Musikdokus der letzten Jahre eine Plattform. Einer der Höhe­punkte im diesjährigen Programm ist die BBC-Dokumentation »Kate Nash — Underestimate The Girl« der Regisseurin Amy Goldstein. Selten leise, häufig gar laut, so kennt man die britische Songwriterin Nash, die mehrere Jahre begleitet wurde. Zwischen Konzertaufnahmen und Privatem entsteht so ein Künstlerfilm, der den täglichen Kampf keinesfalls verschweigt.

 


Poetischer geht es bei »Saz: The Key of Trust« zu. Er begleitet die polnische Musikerin Petra Nachtmanova auf ihrer Reise von Berlin über den Balkan bis in den Iran. Immer im Gepäck und Objekt der reisenden Untersuchung ist die Saz, die Drei-Saiten-Laute, die meist mit der Türkei assoziiert wird. Der Film zeigt aber, dass es dieses Instrument in vielen Kulturen des ehemaligen osmanischen Reiches gibt. Ihr mi­kro­tonaler Klang hat eine ganz eigene Musiktradition geprägt. Ebenfalls im Wettbewerbsprogramm um den mit 2500 Euro dotierten Preis für den besten Musik-Dokumentarfilm läuft »Rude Boy: The Story of Trojan Records« über das englisch-jamaikanische Dub-, ­Reggae- und Ska-Label.

 


Außerhalb des Wettbewerbs wird unter Anderem »Mystify: Michael Hutchence« des INXS-Musikvideo-Regisseurs Richard Lowenstein präsentiert. Der Dokumentarfilm über einen der charismatischsten Popstars Australiens bietet wenig Überraschungen, schafft aber durch zahlreiche Aufnahmen aus dem engsten Umfeld des Musikers Intimität. Das gilt für das gesamte Programm: Es werden selten neue Pfade begangen, aber auf einem hohen Niveau die bekannten Formate ausformuliert.

 


28.8.–1.9., Fritz-Thyssen-Stiftung, Turistarama, Filmforum im Museum Ludwig. Infos: soundtrackcologne.de

 

 


Von: Lars Fleischmann
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