StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 8.2019

Kategorie: Film
Stichwort: Cinedom

Kino im Liegen

Der Cinedom wurde komplett saniert — und zeigt sich jetzt edel und gediegen


Foto: Tom Zelger

Wie eine Klonarmee aus einem »Star Wars«-Film fahren in schummerigem Rotlicht 170 Liegesessel wie von Geisterhand bewegt völlig synchron in die aufrechte Position. Mit der Fernbedienung in der Hand präsentiert Cinedom-Geschäftsführer Ralf Schilling stolz einen seiner neuen Luxuskinosäle. Für einen »einstelligen Millionenbetrag«, mehr will er nicht verraten, wurde das größte Kino Kölns seit Mitte letzten Jahres komplett saniert. Glanzstück sind die vier neuen Edel-Säle im Obergeschoss mit individuell elektrisch verstellbaren »Recliner-Seats«. Dafür musste in den Kinos des Multiplexes ganz schön aufgeräumt werden. Fast die Hälfte aller Sitze sind weggefallen, um Platz zu machen für die neue Beinfreiheit. Durchaus faire drei Euro Aufschlag kostet das bequeme Kinoerlebnis. Schilling weiß, dass er sich auf neue Kundenwünsche einstellen muss: »Das Kinopublikum wird immer älter, wir wollen dieser Kundschaft mehr bieten«, erklärt er.

 


Auch dem neugestalteten Foyer ist anzumerken, dass der Eindruck eines Billig-Multiplexes vermieden werden soll. Holzlamellen und zwischen Kupfer und Bronze changierende Farbakzente sorgen für einen gediegeneren Eindruck als zuvor. Zudem wirkt der Eingangsbereich deutlich aufgeräumter und freundlicher als früher. Die Durchlaufkassen in der Raummitte sind abgeschafft. Ein Drittel der Besucher kauft die Tickets mittlerweile vorab im Internet, da ist eine schnelle Abfertigung am Kassenhaus kein Problem mehr. Ersetzt wurden die Kabinen durch Ticketautomaten und einen Kassenbereich am hinteren Ende des Raums.

 


Ein wenig konterkariert wird der organische Eindruck durch einen riesigen, geschwungenen LED-Bildschirm, der an der Seite des Foyers Werbung für die Filme macht, die gerade im Cinedom ­laufen. Aber insgesamt wirkt die umfangreiche Sanierung gelungen. Sie war auch dringend nötig: 1991 wurde das Haus eröffnet und auch wenn immer wieder in neue Technik und neue Teppiche investiert wurde, der Gesamteindruck war nicht mehr zeitgemäß. Ein wenig nostalgisch macht lediglich, dass die alte bemalte Wandbespannung mit beliebten Filmstars und Film­figuren aus der Kinogeschichte verschwunden ist. Teile davon wurden bereits für einen guten Zweck versteigert. Solch ein indi­vidueller Touch fehlt dem neuen Kino. Aber vielleicht passt das auch nicht mehr zu einem Haus, das 2016 aus dem Besitz der Münchner Produzenten-Familie Eichinger in das Portofolio eines international agierenden Immobilienfonds übergegangen ist.

 

 


Von: Sven von Reden
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