StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 8.2019

Kategorie: Film
Stichwort: »A Toy Story« von Pixar

»A Toy Story«

Auch im vierten Teil hält Pixar das Niveau

seiner liebevoll gestalteten Spielzeug-Saga


»A Toy Story« zeigt beiläufige Lieblosigkeit, gedankenverlorene Missachtung und schroffe Zurückweisung. Allerdings wird man auch Zeuge heftiger Verzückung und obsessiver Anhänglichkeit. Diese kindlichen Gefühle und Handlungen richten sich natürlich auf Spiel­waren, die wie schon in den drei vorangegangenen Filmen der Reihe ebenso computeranimiert sind wie die auftretenden menschlichen Neben­figuren. Trotzdem wirken die dargestellten Beziehungen und Ent­wicklungen vielschichtiger und lebensechter als das meiste, was man gewöhnlich im Kino zu sehen bekommt.

 


In dem knappen Viertel­jahr­hun­dert, das seit »Toy Story«, dem Original, vergangen ist, hat das Budget für einen Film der Reihe eine irre Höhe erreicht — aktuell sind es 200 Millionen Dollar. Das Geld kommt nicht nur an den Kinokassen wieder rein. Für den Disney-Konzern fungiert auch der voraussichtlich letzte Teil zugleich als Werbung für das Merchandise. Umso erstaunlicher ist, wie viel Charme auch der vierte »Toy Story« versprüht — was nicht zuletzt daran liegt, dass auch hier wieder Figuren und Plot gezielt den Waren­charak­ter der abgebil­deten Gegenstände rela­tivieren. Immer wieder wird das Alter des Spielzeugs betont, immer wieder werden Beschädi­gun­gen und Macken hervorgehoben. Immer wieder geht es darum, dass das Aussortieren, Wegwerfen und Ersetzen vermieden werden muss.

 


So auch im vierten Teil: Cowboy Woody und das andere Spielzeug, das immer dann lebendig wird, wenn die Menschen gerade abwesend sind, gehören inzwischen der kleinen Bonnie, die ängstlich dem ersten Tag im Kindergarten entgegenblickt. Dort bastelt sie sich eine Figur aus Plastikmüll, an der fortan ihr Herz hängt, was bei Woody erwartungsgemäß gemisch­­te Gefühle hervorruft. Dabei erscheint Bonnies Bastelei sinnbildlich für die ganze Filmreihe: Zwar steht das Ungeschick des Kindes in denkbar großem Kontrast zur perfektionistischen Sorgfalt, die auch in »A Toy Story« jedes Element zeigt — von der Dramaturgie bis zu Randy Newmans Musik. Aber in die Herstellung des jeweiligen Gegenstandes ist sichtlich Hingabe, ja: Liebe geflossen, weshalb erwachsene Zuschauer den Kunstfiguren ebenfalls begründet Zuneigung entgegenbringen können.

 


Ohnehin scheinen Eltern mehr als ihre Kinder das eigentliche Zielpublikum zu bilden. Sie können sich an Woody, der hier einer alten, nunmehr erfreu­lich emanzipierten Porzellanbekannten wiederbegegnet, ein Beispiel nehmen und nicht unentwegt um kindliche Aufmerksamkeit buhlen, sondern sich auch mal wieder erwachsenen Dingen widmen.

 


(Toy Story 4) USA 2019, R: Josh Cooley, 100 Min. Start: 15.8.

 

 

 


Von: Holger Römers
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