StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 8.2014

Kategorie: Musik
Stichwort: netzmusik  # 23

Neue Musik aus dem Netz

netzmusik # 23


Komsumprodukt — Pura Sandunga,

Winterphonic — Spirals, 

Schaua — Get Happy 

laridae.at/  

 

Seit mehr als zehn Jahren beschenkt der Spanier Alejandro Remeseiro aka Konsumprodukt die Neuaudiowelt mit seinem ziemlich einzigartigen Mix aus fluffigen Electronica, Bossa, Jazz, unverschämtem Funk und was sich sonst noch durch den Wolf drehen läßt: Field Recordings und Tonnen obskurer, teils historischer spanischer Sprach-samples beispielsweise. 

 

Die Nonchalance und Stilsicherheit, mit der Alejandro aka Konsumprodukt seine Mash-ups produziert, hat man so seit Pizzicato Five nicht mehr gehört. 

 

Nach einem guten halben Dutzend Veröffentlichungen für das von uns bereits vorgestellte tonatom-Label (StadtRevue 1/2014) und weitere Artgenossen ist Alejandro mit »Pura Sandunga« beim österreichischen Label Laridae gelandet. Das Label setzt oder besser: setzte seit 2004 ein Zeichen gegen die Flut von »minimal dub-house stuff« (laridae.at), im Mai dieses Jahres stellte es seinen Betrieb ein. Laridae brachte unter anderem eines unserer Allzeit-Lieblingsalben heraus: »Spirals« vom österreichischen Duo Winterphonic. Zu schade, dass man seitdem nichts mehr von Adina Camhy und Emanuel Jauk gehört hat. Ihr bezaubernder Elektropop hätte eine Neuauflage verdient.

 

Elektronische Musik macht auch Stefan Schauer alias Schaua. »Get Happy«, seine aktuelle EP und insgesamt seine achte Veröffentlichung für Laridae, ist ein wilder und bewusst nicht immer geschmackssicherer Ritt durch Lo-Fi-Disco, Nerdhouse, Möchtegern-Croonertum und Schlafzimmeraufnahmen. Seine Mittäterschaft im »gameboymusicclub« und der entsprechenden Band »dot.matrix with stereo sound« verbirgt er dabei ebenso wenig wie seine Wertschätzung für Martin Gretschmanns (Console) Schaffen. Kann man liebhaben oder hassen, originell ist es allemal. 

One Drop Left — Fruitful Soil

soil.onedropleft.net 

 

Reggae aus Köln in, zwölfköpfiger Besetzung, mit Bläsersektion und (aha) einer Violine. Letztere hört man nicht oft in diesem Genre, aber One Drop Left spielen eben nicht nur reinen Roots Reggae (so von wegen bisschen Chillen am Feier-abend), sondern verweben geschickt weltmusikalische Einflüsse mit ihrem durch typische Bassriffs geerdeten Sound. Bläser und Geigerin spielen stilsicher Funkriffs, Jazzsoli und Klezmerlinien,  die Rhythmussektion schaltet dazu an den entsprechenden Stellen gekonnt einen Gang hoch. Natürlich kommt in den Texten auch »Babylon« und »Irie« vor, das schrappt manchmal knapp am Klischee vorbei. Ist aber nicht unbedingt alles so bierernst gemeint, denn »Ich schwör der Schrei nach Revolution ey das war gar nicht ich«. One Drop Left zielen  auf Party und Tanzen, es macht einfach Spaß. Also »af inne Tanzhall« — oder am 12.9. ins Domforum.

 

 


Von: Marco Trovatello und Frank Christian Stoffel
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