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StadtRevue Blog

18.03.2013
00:10

Netzmusik: Small Colin - Tape Productions (rec72)

Small Colin

Über das Kölner Netlabel rec72 berichteten wir ja bereits zum Auftakt der Netzmusik-Kolumne im vergangenen September und anläßlich des fünften Label-Geburtstags. Vergangene Woche kommt Marco Medkours Label erneut mit einem tollen Release um die Ecke, das ich Euch hier - schnell und außer der Reihe - nicht vorenthalten will: 'Tape Productions' von Colin Sweeney aka Small Colin ist vielleicht eines der schönsten Alben dieses Netaudio-Frühlings. Bereits der Opener 'Red Wine' hat nicht nur großes Ohrwurm-Potenzial - es ist sogar ein richtiger Hit:

Das Free Music Archive, das wir neben vielen anderen empfehlenswerten Podcasts, Blogs und Netzines in der nächsten (Print-)Episode der Stadtrevue-Netzmusik vorstellen werden, kategorisiert Colins Musik unter Electronica, Ambient, Downtempo - doch das wäre hier viel zu kurz gegriffen. Immer wieder mischt sich die E-Gitarre ins Geschehen ein und verleiht seiner Musik, zusammen mit eingängigen Akkordfolgen und seinem gelegentlich zum Einsatz kommenden, schüchtern-zurückhaltenden Gesang echte Popelemente, die dann sogleich wieder konterkariert werden.

Analoges Taperauschen als künstlerisches Stilmittel

HInzu kommt die wunderbare Produktion. Tape Productions - der Name ist Programm. "Boah rauscht das" hätte man im prä-digitalen Zeitalter gesagt. Heute empfinde ich das analoge, deutlich wahrnehmbare Rauschen unter den Tracks als einfach nur schön. Colin dazu: "Ich arbeite normalerweise ausschließlich mit Ableton Live, doch dieses Mal habe ich mich dazu entschieden, zusätzlich auch noch mit Bandaufnahmen zu arbeiten, so wie früher, als ich noch einen Tascam-4-Spur-Rekorder hatte. Ich habe die Sachen also immer noch mit dem Computer aufgenommen, dann aber die einzelnen Instrumentenspuren zurück auf Band aufgenommen, um sie dann wieder zurück in den Computer zu spielen. Dann habe ich das Ganze wieder auf ein Stereo-C90-Tape gemastert - und es wieder zurück in den Computer gespielt, um die mp3s zu erzeugen", sagt er - und fügt hinzu: "Ich liebe Bandrauschen einfach." Tatsächlich hört man den Tracks diese Liebe zum Produktionsdetail an, denn das Rauschen wirkt nicht 'beigemischt', sondern genau so authentisch, wie es aufgenommen wurde.

 



Und ja, so ähnlich wie 'Tape Productions' funktioniert vielleicht auch die Musik von Dntel. Doch Colin hat über nun - zählt man seine Zusammenarbeit mit Scott Buchanan aka Radio Scotvoid als Small Radio dazu - insgesamt sechs Veröffentlichungen hinweg seinen eigenen Stil entwickelt. Der ist insbesondere auf diesem Album geprägt von den heute so typischen Umständen, eben nicht mehr nur Musiker zu sein - sondern auch Arbeitnehmer, Vater, jemand, der irgendwie Familienleben, Alltag und Musikmachen auf die Reihe bekommt. Gewissermaßen ist sogar Schweden, das Land in dem der Schotte mit seiner Familie lebt, an der Entstehung von 'Tape Productions' beteiligt. Das Album nahm er während seiner Elternzeit, die im familienfreundlichen Schweden besonders großzügig ausfällt, auf. All das hört man seiner Musik an, im positivsten Sinn.

Download: Small Colin - Tape Productions (rec72, CC-BY-SA)

Update: Ich habe total vergessen zu erwähnen, dass das Album bzw. der Download von einer Serie digitaler Postkarten begleitet wird, die neben schönen Fotografien auch die kurzen Songtexte zeigen.

Noch ein Update: Hier das komplette Interview. das ich mit Small Colin geführt habe.

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