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StadtRevue Blog

01.08.2013
21:03

Netzmusik #11: C3S - die "faire Alternative zur GEMA" startet Crowdfunding

In 19 Tagen 80.000 Euro gesammelt: So verkündet heute die Cultural Commons Collecting Society (C3S) den erfolgreichen Start Ihres Crowdfundings. WIr haben für die aktuelle Printausgabe (August 2013) der Stadtrevue mit Wolfgang Senges von der C3S gesprochen, einige Fakten zusammengetragen und auch noch den (gelungenen) Sampler zum Gründungscrowdfunding angehört. Nun das ganze auch hier für Euch, frisch gebloggt.

Die korrekte Abrechnung im Blick: Wolfgang Senges. Bild: Barbara Senges, CC-BY-NC-SA

Am 14. Juli 2013 hat die Cultural Commons Collecting Society (C3S) den Startschuss für ihre Gründungsphase gegeben. Bisher ist die C3S eine Interessengemeinschaft von Musikern, die mit der GEMA unzufrieden sind und daran arbeiten, eine eigene Verwertungsgesellschaft zu gründen. Nun soll daraus eine europäische Genossenschaft gegründet werden, mit mindestens 1.000 Mitgliedern und 50.000 Euro Startkapital. Wünschenswert wären allerdings 3.000 Mitglieder. In Kombination mit einem wirtschaftlich relevanten Repertoire sollte dies nach Aussagen der C3S ausreichen, um die Verwertungsgesellschaft tragen zu können. Um vom Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) aber als Verwertungsgesellschaft anerkannt zu werden, muss als letzte Hürde die Umsetzung einer Infrastruktur zur Verwaltung und Abrechnung nachgewiesen werden.

Zunächst wird die Genossenchaft mit rund 60 Mitgliedern gegründet, die gemeinsam ein Startkapital von 30.000 Euro aufbringen müssen. Anschließend werden alle Personen, die sich am Crowdfunding beteiligt haben, als Mitglieder aufgenommen. Dabei entsprechen je 50 Euro einem Anteil an der Genossenschaft, wobei jedes Mitglied unabhängig von seinem Anteil nur eine Stimme hat. Die Gründungsmitglieder gibt es bereits, die weiteren Mitglieder gilt es noch zu gewinnen.

Die C3S positioniert sich als "faire Alternative zur GEMA" und möchte ihre Mitglieder stärker in die Entscheidungsprozesse einbeziehen, um die Tarife und Abrechnungen transparent und für jeden nachvollziehbar gestalten. Die Mitglieder sollen selber entscheiden können, für welche Stücke ihres Repertoires sie die Verwertungsrechte zur Wahrnehmung an die C3S übertragen und bei welchen Stücken sie dies lieber selber tun wollen. Moderne Technologien sollen helfen, möglichst exakt abzurechen. Verlage sollen eher eine untergeordnete Rolle in den Entscheidungsstrukturen spielen. Der größte Unterschied zur GEMA dürfte aber der Umgang mit Creative Commons Lizenzen (CC) sein. Im Gegensatz zur C3S erlaubt die GEMA ihren Mitgliedern zur Zeit nicht unter CC zu veröffentlichen, ein Umstand der vor einiger Zeit überhaupt erst die heutigen C3S Mitglieder auf die Idee brachte, »selber eine Verwertungsgesellschaft« zu gründen.

Auf das Verhältnis zur GEMA angesprochen, sagt Wolfgang Senges, Sprecher und Mitglied des Kernteams der C3S: "Einerseits (und vor allem) waren wir nie ein Freund der Polemik und des GEMA-Bashings, denn zu vieles stimmt nicht. Damit ist keinem Urheber geholfen. Mag natürlich auch sein, dass wir erst in der Abtast-Phase sind. Wir lassen uns überraschen. Wie auch immer, wir sind auch deswegen nicht auf blindem Protestkurs, weil Verwertungsgesellschaften per se eine gute Einrichtung sind, um den Urheber zu vertreten und (böses Wort) das Inkasso-Unternehmen des Urhebers zu sein."

Andererseits sieht Wolfgang Senges die Abrechnungspraxis der GEMA kritisch: "Mit Datenproben wie die GEMA sie verwendet kann man nicht genau abrechnen. Man kann mit Datenproben aber übermittelte Daten-massen auf Korrektheit überprüfen. Wir wollen Audio Fingerprinting und das einfache Zählen von Plays in den Playlists durchsetzen. Die oftmals eher als schwierig betrachtete Musikerkennung ist aber nur für begrenzte Bereiche notwendig. Meist handelt es sich um Playlist-Daten — und diese sind durchweg verfügbar. Dann reichen eine Online-Verbindung und Import/Export-Formate."

Wolfgang Senges ist sich bewusst, dass noch ein langer Weg vor der C3S liegt, bis sie endlich als anerkannte Verwertungsgesellschaft ihren Betrieb aufnehmen können. Auch werden sie, so Senges, am Anfang "zunächst nur einige Bereiche abdecken, die eine gute Mischkalkulation aus Einnahmen und begrenztem Aufwand darstellen. Als jemand, der früher in der Software-Industrie für Rundfunk und TV tätig war, muss ich hier einen deutlichen Dämpfer setzen. Denn hier kommt eine Menge Überzeugungsarbeit auf uns zu." Unterstützung erhält die C3S u.a. von dem "digitalen Vordenker" und Berater Jim Griffin sowie Prof. Dr. Carsten Winter von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Fehlen jetzt nur noch möglichst viele Mitglieder in der zu gründenden Genossenschaft.

Weitere Infos unter c3s.cc sowie www.startnext.de/c3s

C3S :: Ignition Mix

Download: http://bit.ly/c3sIgnition

Passend zum Thema haben wir uns den Sampler zum Gründungscrowdfunding der C3S angehört, der den Namen "C3S :: Ignition Mix" trägt und - klar - zum freien Download erhältlich ist. Dafür hat man nicht irgendeine Plattform gewählt, sondern das Free Music Archive, das Leuchtturm-Projekt für freie Musk schlechthin. Mit, nun ja, politischen Compilations ist das ja immer so eine Sache. Wie beim Free Music Sampler der Musikpiraten versucht sich die C3S-Compilation an der Darstellung der maximalen Bandbreite freier Musik. Heißt: Stoner Rock folgt auf Experimental folgt auf Jazz folgt auf Indiepop. Nur schwer an einem Stück durchzuhören, aber trotzdem mit beachtlichen Höhepunkten. Eric Eckhart erreicht Death Cab for Cutie-Hitpotenzial, Gahzed schrammeln tollen, knarzigen Electro-Rock, Dr. Freebs croont feinsten Soul und überhaupt hat Volker Tripp hier viele schöne Tracks seines Netlabels ideology untergebracht. Aber auch echte Netzmusik-Stars wie die nimmermüde Zoe.leela steuern frische Tracks bei. Und die zwei Autoren dieser Kolumne haben ebenfalls etwas beigetragen.

 

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