Resist: Selma Selman, »You Have No Idea«, Performance, 2016 Rautenstrauch-Joest-Museum, »It’s Yours!«, © Zoltan Adam, courtesy of Gallery8

Das Ende der Lockdownblödigkeit

Die Wiedereröffnung der Museen in pandemischer Zeit

Ein Jahr Covid19 und wir haben viel gelernt. Sogar Dinge, die wir gar nicht lernen wollten. Dass Kulturinstitutionen geschlossen werden, weil die Politik Kultur als »Freizeit«-Vergnügen betrachtet (Bildungseinrichtung? Ähm, ach so). Dass sich während des »Lockdown light« Menschen beim Shoppen drängeln (Wirtschaft!), derweil großartige Ausstellungen in perfekt klimatisierten, weitläufigen Museumssälen vergeblich auf Besucher*innen warten. Dass für Künstler*innen Hartz4 da ist, wenn sie keinen Anspruch auf Corona-Hilfen haben. Und dass der Friseurbesuch mit »Würde« zu tun hat (all diese vergammelten Gestalten im Home Office, igitt). Stimmt. Hat Kultur eben nicht. Oder vielleicht doch?

Es kann einen schon sehr wütend machen, wie bürokratisch und phantasielos diese neuartige Pandemie von Regierungsseite gemanagt wird, während die Experten für unorthodoxe Lösungen, für neue Ideen, Flexibilität, ja utopische Vorstellungskraft lahm gelegt werden. Dass Smudo und Ranga Yogeshwar dem freundlichen Corona-Minister Helge Braun in Anne Wills Talkrunde beibringen müssen, warum die »Luca«-App besser funktioniert als die aus Steuergeldern finanzierte offizielle Corona-WarnApp der Bundesregierung — und »Luca« insbesondere bei der Wiedereröffnung des Kulturbetriebs eine zentrale Rolle spielen könnte. Wenn man sie ließe.

Aber eigentlich wollten wir uns hier freuen, denn seit März können die Museen wieder ihre Arbeit tun. Sie haben Jahresplanungen umgestellt, Hygiene-Konzepte erarbeitet, Systeme fürs Online-Ticketing organisiert. Statt schnellem QR-Scan per »Luca« muss man Buchungs- und Papierkram bewältigen, egal — machen wir gerne, gibt es doch so viel Neues zu sehen! Als erstes eröffnete Kolumba, wendiger als die städtischen Verwaltungswege, auch im Geiste (Lektüre-Empfehlung: die »Corona-Statements« auf kolumba.de). Endlich ist die große Andy-Warhol-Schau im Ludwig eröffnet, mit vier Monaten Verspätung, und dass es gelungen ist, sie bis 13. Juni zu verlängern, ist eine Leistung.

Auch die Ausstellung »Resist! Die Kunst des Widerstands« im Rautenstrauch-Joest-Museum (1.4. bis 5.9.) ist  endlich für Besucher*in­nen zugänglich. Die Kunst des Widerstands? Hmm. Genaues Hinschauen. Gedankenblitze. Perspektivwechsel. Mit anderen über das Gesehene sprechen. An der Fassade des Bonner Kunstmuseums leuchten neuerdings in neongelber Schrift seltsame Fragen, inspiriert vom Künstlerduo Fischli & Weiss. »Gibt es Warteschleifen für Gefühle?« Oder: »Kann die Zeit ihren Geist verlieren?« Die Lähmung in Kopf und Körper verschwindet. Selber denken. Lernen, wie man die Selbstbestimmung nicht verlernt. Tut gut, so ein Museumsbesuch.

Tickets mit Zeitfenster online (zwingend) über museen.koeln buchbar.