Black feminist power: Betye Saar courtesy: die Künstlerin & Robert Projects, L.A.; Foto: David Sprague

Das Establishment aufmischen

Endlich nachgeholt: Wolfgang-Hahn-Preis 2020 für Betye Saar

»Ich recycle Materialien, aber ich recycle auch Emotionen und Gefühle«, so hat die Afroamerikanerin Betye Saar es einmal auf den Punkt gebracht. Die 1926 in Los Angeles geborene Künstlerin, die hierzulande immer noch wenig bekannt ist, wird künftig auch im Museum Ludwig vertreten sein und die zumeist weißen, männlichen Pop-Stars in der Sammlung US-amerikanischer Kunst aufmischen. Ihre Arbeit »The Devine Face« wurde anlässlich der Verleihung des Wolfgang-Hahn-Preises 2020 von der Gesellschaft für moderne Kunst am Museum Ludwig angekauft und die Initiative »Perlensucher« hat zwei Grafiken gestiftet.

»The Devine Face« von 1971 ist ein durchaus typisches Werk. Seit den frühen 60er Jahren schafft Saar eigensinnige, hybride Assemblagen aus Objekten, Zeichnungen, Drucken, Malerei und Fotografie; sie verbindet Popkultur und Schamanismus, Fragen von Ethnie, Politik und Gender mit persönlicher Geschichte. Aufgewachsen in einer von Rassentrennung geprägten Gesellschaft, war sie immer des festen Glaubens, dass Kunst ein Antidot für die tiefsten menschlichen Ängste sein kann. Als Künstlerin für eine ganze Generation einflussreich, ist sie mit ihrem Engagement für Inklusion und Frauenrechte bis heute eine wichtige Stimme im Diskurs, etwa, wenn sie sich mit der afroamerikanischen Künstlerkollegin Kara Walker zofft, die »vorwiegend zur Belustigung und für den Kaufwillen des weißen Kunstestablishments« arbeite.

Während in den USA Institutionen wie das MoMA der Grand Dame des »Black Feminism« Einzelausstellungen widmen und ihr sechs Ehrendoktortitel zugesprochen wurden, gibt es in Europa Nachholbedarf. In Köln wird die pandemiebedingt mehrfach verschobene Preisverleihung nun endlich nachgeholt, inklusive einer kleinen Präsentation.

Nur die Chance, diese beeindruckende Künstlerin auch persönlich kennenzulernen, ist leider verstrichen — die 94-Jährige hat ihre geplante Reise nach Köln endgültig abgesagt. Ersatzweise vermittelt ein vom LACMA (L.A.) produzierter Film, der auch im Museum Ludwig zu sehen sein wird, den Eindruck einer leisen, hartnäckigen, außerordentlich sympathischen Kämpferin für Gleichberechtigung. Ja, auch im Kunstbetrieb.

Museum Ludwig, 1.6.–12.9.2021, Online-Programm auf museum-ludwig.de

Den Wolfgang-Hahn-Preis 2021 erhält der Kölner Künstler Marcel Odenbach, Preisverleihung und Präsentation 17.11.–20.2.2022