In der Sandwüste: Unerreichbar mit dem Rollstuhl

Barrieren im Sandkasten

Kinder mit Behinderung können auf Kölner Spielplätzen oft nur zuschauen

Eine Rutsche mit langem Einstieg für den Rollstuhl, ein Trampolin, das für Rollen geeignet ist, ein ebenerdiges Karussell — das sind nur Beispiele für Spielgeräte auf einem inklusiven Spielplatz.

Doch sie sind selten, diese »Spiel­plätze für alle«. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die »Aktion Mensch« und das »Forschungsinstitut für Inklusion durch Be­wegung und Sport« kürzlich ­veröffentlicht haben. Auf den Spielplätzen in Deutschland können Kinder mit Behinderung — ­anders als es das seit 2017 geltende Teilhabegesetz festlegt — häufig nur zuschauen.

»Das ist wie in vielen anderen Bereichen auch«, sagt Eva-Maria Thoms vom Kölner Verein »Mittendrin«, der sich seit mehr als 15 Jahren für Inklusion einsetzt. »Wir müssen endlich anfangen, auch bei der Gestaltung von Spielplätzen an alle zu denken.« Von speziellen Spielgeräten für Kinder mit Behinderungen hält sie dagegen wenig. Eine Schaukel für Rollstuhlfahrer*innen etwa sei ein hochkomplexes Gerät, das müsse dann eingezäunt werden, und es separiere Kinder mit Behinderungen doch nur wieder von anderen.

Laut Studie bieten bloß 21 Prozent aller Spielplätze bundesweit — zumindest in Teilbereichen — Möglichkeiten für inklusives ­Spielen. Barrierefreie Wege und Fallschutzböden gibt es auf höchstens zwei Prozent der 1.000 untersuchten Spielplätze. »Für Kinder mit Behinderung sind dies keine Orte, um zu toben und mit ihren Freund*innen Spaß zu haben«, sagt Christina Marx von Aktion Mensch. »Denn sie kommen erst gar nicht auf den Spielplatz, können die Geräte nicht nutzen oder stoßen auf Hindernisse.« Vor allem für Kinder mit Mobilitätseinschränkungen oder Kinder mit Sehbeeinträchtigung seien die Spielplätze nicht zugänglich. Betrachte man jedoch die Beschaffenheit und Konstruktion der Geräte, seien alle Kinder mit Behinderung stark eingeschränkt bei der Wahl ihrer Beschäftigung auf dem Spielplatz.

Für Kinder mit ­Behinderung sind das keine Orte, um Spaß zu haben
Christina Marx, Aktion Mensch

Und wie sieht es in Köln aus? Ein Beispiel: der Spielplatz »Buschstraße« in der Südstadt, fast 5.000 Quadratmeter groß, samt Bolzplatz. 2021 plante die Stadt Köln ihn für 230.000 Euro umzugestalten, doch in ihrem ersten Entwurf war kein einziges rollstuhlgerechtes Spielgerät vorgesehen. Um die geplanten Maßnahmen nicht weiter zu verzögern, einigte man sich darauf, dass eine Nestschaukel und ein barrierefreier Weg zum Wasserspielangebot zunächst reiche. Ein weiteres Beispiel: im Blücherpark, gegenüber der Anlage des Tennis-Clubs Grün Gold, ist 2017 ein Spielplatz fertiggestellt worden, der mit Tischsandkasten, Sinnespfad und Klettergerüst weitgehend inklusiv ist. In jahrelangem Engagement hatte sich eine Initiative, initiiert von der evangelischen Freikirche ­»Lebenswert«, für die Umgestaltung eingesetzt und in Kooperation mit der Stadt Köln Spenden gesammelt.

Wie ein Spielplatz gebaut wird, ist in Deutschland Sache der Kommunen — aber warum nicht zurückgreifen, auf bereits bestehende Angebote: Kompaktleistungen, etwa von Unternehmen die  »Integrations-Spielplätze« entwickeln. Rund 30.000 Euro kostet ein Gerät, rollstuhlgerecht, mit drei befahrbaren Spieltürmen, Rutsche, kleiner Brücke und Netztunnel. Oder rund 40.000 Euro eine zusätzliche Seilbahn mit einem »Sitz für alle«. In der Studie von Aktion Mensch heißt es: »Viele Kommunen haben Schwierigkeiten bei der Planung und Umsetzung von inklusiven Spielplätzen. Vorhandene Richtlinien und Normen werden nicht ausreichend umgesetzt oder es sind erst gar keine entsprechenden Vorlagen vorhanden.« In der Spielplatzbedarfsplanung der Stadt Köln wurde beispielsweise 2018 festgelegt, dass Spielplätze so beschaffen sein sollten, »dass gemeinsames Spiel ermöglicht wird, die Begegnung aller Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gefördert wird und das gegenseitige Helfen angeregt wird.« Doch bis das umgesetzt ist, bis ein Umdenken stattgefunden hat, hin zu einem Wir, das alle umfasst, wird es wohl auch in Köln noch eine ­Weile dauern.