Kombinationen von Schnittstellen

»Die Kunstagentin« hat einen neuen Ausstellungsraum eröffnet

Tausend Ideen, Professionalität und Tatkraft: Da muss es doch einfach klappen mit der eigenen Agentur. Vom Kunst-Virus ist die diplomierte Wirtschaftsjuristin Anne Scherer, Spross einer Künstler-, Sammler- und Galeristenfamilie, schon von Kindbeinen an infiziert. Seit 2007 arbeitete sie als freie Kuratorin, Beraterin und Kulturmanagerin, im Dezember hat sie ihre eigenen Räume im Belgischen Viertel eröffnete.

 

Die Location ist ein Glücksfall: Ein freundliches kleines Ladenlokal für Editionen und Buchpräsentationen ist über eine Treppe mit weitläufigen ehemaligen Lagerräumen verbunden, die über 300 qm Ausstellungsfläche bieten. Die Eröffnungsausstellung mit den Street Art-Künstlern Jim Avignon und Boris Hoppek hatte durchaus programmatischen Charakter, Kreativität und Lifestyle urbaner Kultur haben es Scherer besonders angetan. Aus ihren langjährigen Erfahrungen als Projektleiterin für die Street Art Netzwerke Modart und Rebel Art entstand die Idee für das CityLeaks Festival im September letzten Jahres, ein Mammutprojekt mit über dreißig internationalen Künstlern.

 

Dass hier jemand mit Leidenschaft am Werk ist, vermittelt sich im persönlichen Gespräch sofort. Bewusst hat Scherer sich für Köln als Standort entschieden, nachdem sie jahrelang u.a. in New York und Berlin tätig war, überzeugt von der hiesigen Kunstbegeisterung und dem Sachverstand der Szene. Für sie ist Kunst eine Form der Kommunikation, die Menschen zusammenbringt, und das scheint in Köln besonders gut zu funktionieren.

 

Mit der aktuellen Ausstellung »Going, going…Wanderer zwischen den Welten« erweitert »Die Kunstagentin« abermals den Aktionsradius. Die Malerin Johanna Rzepka Wiens hat als Schülerin von Jörg Immendorf und Gerhard Merz eine akademische Laufbahn hinter sich. Sie zeigt Arbeiten, die während einer mehrjährigen Studienreise durch China, Taiwan und Japan entstanden. Auf meist großen Formaten werden die Ambivalenzen des modernen Asien zwischen Armut und Reichtum, urbaner Gentrifizierung und Natur beleuchtet.

 

Parallel zur Betreuung der eigenen Shows wird sich Scherer weiter rund um den Globus um Projekte kümmern, wo immer sie ihre Erfahrungen an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wirtschaft einbringen kann. Ist diese Kombination aus Kunstraum, Projektbüro und Agentur nun Galerie oder Off Space oder clevere Existenzgründung? Scherer gehört zur Generation, deren Erfolg im Anschieben neuer Projekte sich vielleicht der Tatsache verdankt, dass sie sich mit solchen Fragen gar nicht aufhält.